Judentum und Kapitalismus
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Kanaan seßhaften Hebräer hätten Landbau getrieben 1 ).Auch hält er mit dem Grunde dieser seiner Stellung-nahme keineswegs zurück. „Denn wenn es anders ge-wesen wäre, wenn Israel auch nur im Sinne des Orientsein ,ackerbautreibendes 1 Volk geworden wäre, so würdenwir die Entstehung und erste Gestaltung des jüdischenReligionssystems nimmermehr verstehen können“ 2 ).Dieses aber und der Kapitalismus stecken nach Som-b ar t dem Juden im Blute und sind in Wechselwirkungmit einander geworden. Um diese seine Lehre zu halten,dürfen die Hebräer also keine landwirtschaftliche, jaüberhaupt keine körperlich schwere oder auch nur über-wiegend körperliche Arbeit zu verrichten gehabt haben ;ihre überragende Geistigkeit wäre sonst nicht zu er-klären ! Wiederholt kommt er darauf zurück 3 ) undleugnet trotz aller entgegen stehenden Zeugnisse 4 5 ), daßdas Volk Israel, nachdem es seßhaft geworden, Land-bau getrieben oder abgesehen von der Arbeit desHirten, die er augenscheinlich für keine körperlicheund schwere Arbeit hält, körperliche Arbeit ver-richtet habe.
Nun dürfen wir wohl annehmen, daß die Hebräergleich anderen Völkern, welche, in ein fremdes Landeingedrungen, dessen Bewohner unterworfen haben, gleichden Griechen und später den Germanen, zunächst nichtselbst arbeitstätig gewesen sind? Sie zogen in dieStädte und Dörfer 8 ), welche die Einwohner, die sievorfanden, bis dahin bewohnt hatten, ließen die Felderdurch diese bestellen, und wenn die Städte später besondersgenannt werden, so wissen wir ja auch von den Griechen,
*) Ebenda S. 408. J ) Ebenda S. 406. 3 ) Ebenda S. 414, 420.
*) Vgl. insbesondere auch seine oben S. 177, Anmerkung 4,
liervorgehobene Unterschlagung des größeren Teils des auf Juda
bezüglichen Jakobssegens.
5 ) Vgl. J o s u a Kapitel 15 n ff.