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Lu jo Brentano
daß die Stadt bei ihnen das Übergewicht über das Land er-langt hat. Gewiß, daß die Gefahr vor räuberischen, umher-schweifenden Horden dazu besonders veranlaßt habenmag. Das war im Mittelalter aller Völker der Fall.Aber wie wir bei den Griechen und später bei denGermanen in den auf das Seßhaftwerden folgendenJahrhunderten freie Volksgenossen finden, die selbstim Landbau tätig sind, so auch bei den Israeliten.Von Boas erzählt das Buch Ruth, daß er selbst seineSchnitter beaufsichtigt und nachts hinter einer Mandelauf der Tenne schläft 1 ); Saul wird uns geschildert 2 ),wie er des Abends hinter seinen Pflugochsen vom Feldezurückkehrt, und von Elisa wird erzählt 3 * ), daß erselbst eines der zwölf Ochsengespanne geführt, mitdenen seine Felder bestellt wurden, und vom Manneder reichen Sunamitin, daß er sich bei seinen Schnitternauf dem Felde befand 1 ). All das deutet auf das Vor-handensein großbäuerlicher Betriebe. Unter Salomo scheinen dann zahlreiche Fronhofswirtschaften in Israelbestanden zu haben, ähnlich wie wir diese in Griechen-land im mykenischen Zeitalter finden. Der Handelmit fremden Völkern, der sich seit Salomo zu ent-wickeln begonnen hat, scheint, wenn er auch nochnicht großartig war, doch ausreichend gewesen zu sein,um einigen die Mittel zum Bauernlegen gegeben zuhaben. Sombart freilich sagt 5 ), nur äußerst seltenfinde sich der Bauer in der Bibel erwähnt; aber dieflammende Entrüstung der Propheten G ) über die Geld-besitzer, welche die Acker an sich reißen und Feld anFeld rücken, bis kein Platz mehr bleibt und sie alleindie Besitzer im Lande geworden sind, hat doch die