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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Judentum und Kapitalismus

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unterworfener Völkerschaften? Warum hat sie derbabylonische Feldherr dann nicht zurückgelassen ? Undauch nach der biblischen Zeit haben die Juden Land-bau getrieben. Nach dem Talmud * * 4 ) lebten in Babylon außer den Nachkommen der nach Babel deportiertenAngehörigen des Zehnstämmereichs, die überhaupt ausdem Exil nie zurückgekehrt sind, noch die von denStämmen Juda und Benjamin Zurückgebliebenen. Derüberwiegende Teil dieser babylonischen Juden triebAckerbau, was, wie Funk betont 2 ), schon der Umstandbeweist, daß in den Erntemonaten die Gerichte feiernmußten, wie denn auch Baba seine Hörer aufforderte 3 ),sich in diesen Monaten der Feldarbeit zu widmen,damit sie nicht das ganze Jahr hindurch von Nahrungs-sorgen gequält würden. Unter den babylonischen Judenentstand der agrarische Spruch:Wer keinen Ackerhat, ist kein Mensch 4 ), und nach Funk 5 ) waren diemeisten jüdischen Traditionslehrer Landleute, Grund-besitzer und, wie ihre Aussprüche über landwirtschaft-liche Regeln zeigen, mit der Landwirtschaft wohl ver-traut. Ebenso enstand unter ihnen der Spruch, derihre Stellung zum Handwerk kennzeichnet:SiebenJahre Hungersnot, und der Professionist hat nochimmer Brot 6 ).

Wie die assyrischen und persischen Könige, sohaben nach ihnen die Seleukiden und die PtolemäerZehntausende von Juden in Kleinasien und Ägypten als Kolonen angesiedelt 7 ), und namentlich in Ägypten finden wir aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. biszum zweiten Jahrhundert n. Chr. zahlreiche Juden als

*) Ygl. Funk, Die Juden in Babylonien 200500, Berlin 1902,

1908, I 11.

») Funk II, 11. 3 ) Funk II, 68. *)Jebam63a.

5 ) F u n k a. a. O. II, 66.) Sanhedrin 29 a.

) Siehe Jean J u s t e r a. a. O. II, 265 ff.

L. Brentano, Der wirtschaftende Mensch.

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