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Grundeigentümer, als Pächter oder einfache landwirt-schaftliche Tagelöhner 1 ). Und nicht anders scheintes in den folgenden Jahrhunderten gewesen zu sein.Benjamin von Tudela hat im 12. Jahrhundert die Judenals Ackerbauer in Krissa in Griechenland, in Arabien und im Gebirge Naisabur in Persien gefunden. Vonletzterem berichtet er: „Und es gibt Israeliten inPersien , die sagen, daß vier Stämme Israels im Ge-birge von Naisabur wohnen, nämlich Dan, Sebulon ,Ascher und Naphtali , welche von Salmanassar in dieGefangenschaft geführt worden sind, wie es II Kg.18, 11 heißt: „Und der König von Assyrien führtedie Israeliten gefangen nach Assyrien und siedelte siean in Chalach und am Chabor, dem Flusse Gosansund in den Bergen der Meder.“ Desgleichen findeter in Antiochia 10 Juden, die Glas fabrizieren; inSidon findet er jüdische Handwerker und Färber undin Tyrus , in der Nachbarschaft des Sitzes des StammesSebulon , jüdische Rheder und Glasmacher 2 ). An allenden Orten aber, wo sie Landbau und Gewerbe treiben,sind sie entweder die Herren oder wenigstens frei inderungestörtenYerwertungihrerwirtschaftlichenKräfte.
Also nicht bloß in Polen während des 16. Jahr-hunderts 3 ) haben die Juden Landbau getrieben. Wiewill Sombart angesichts der vorgeführten Zeugnisseseine Behauptung aufrecht erhalten, die Juden hättenkörperliche Arbeit allezeit gescheut?
Soweit die Israeliten Landwirtschaft und Hand-werke betrieben, finden wir trotz des Kapitalismus,der ihnen nach Sombart im Blut gesteckt haben soll,in ihrer Berufstätigkeit keinen kapitalistisch hervor-