Judentum und Kapitalismus
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(len davon in der inneren Religion losgelösten Kreisen 1 )“.Durch und mit dem Hellenismus sind die Juden auchnach dem Westen gedrungen, wo ihnen indes eineähnliche weitgehende Selbstverwaltung wie in dergriechischen Welt wenigstens rechtlich nie zugestandenworden ist. In Rom finden wir sie bereits im Jahre70 v. Chr. Im Jahre B n. Chr. waren sie da schonso zahlreich, daß von 8000 Juden berichtet wird 2 ), diesich einer Gesandtschaft an Augustus, die damals nachRom kam, anschlossen. Wir finden sie bereits vorChristus in Spanien, nach einer Sage sogar in Trier und Worms. Zur Zeit der Zerstörung Jerusalems gabes bereits mehr Juden außerhalb Palästinas , in derDiaspora, als in ihrer Heimat. Und wie die Aus-breitung der hellenisierten Juden zur Hellenisierungder Alten Welt auf das wirksamste beigetragen hat,so hat auch die Ausbreitung des Christentums an dieseAusbreitung des jüdischen Elements angeknüpft 3 ).
Und nun zur wirtschaftlichen Bedeutung dieserEntwicklung. Sie hat den wirtschaftlichen Charakterder Juden geändert. Zuerst in Babylon .
*) Ebenda S. 496.
s ) Jean Juster, a. a. Q. I, 209.
') „An den Orten, wo die Hauptstationen des phönizisch-palästinischen Handels waren, fand das Christentum zuerst Ein-gang und verbreitete sich von da aus in die Umgegend; denndieser große Handelsverkehr, an dem nach dem Beispiel derPhönizier in jüngerer Zeit auch die Juden sich lebhaft beteiligten,hatte in den ersten Küsten- und Handelsstädten am Mittelmeer und im Binnenlande Niederlassungen der Kaufleute aus Phönizien und Palästina ins Leben gerufen; die dabei beteiligten Judenhatten, ebenfalls nach dem Vorgang anderer kaufmännischerLandsmannschaften, an diesen Orten für ihre religiösen Bedürf-nisse Versammlungshäuser, Synagogen und Proseuchen mit dendaran haftenden Rechten. An diesen Versammlungsstätten derjüdischen Landsmannschaften verkündigten die Apostel, nach einem