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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Judentum und Kapitalismus

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zu verkaufen 1 ). In allen Ländern bildeten die Judenein großes Kontingent der Sklaven 2 ). Daß von denin der Diaspora angesiedelten freien Juden eine sehrgroße Zahl in der Landwirtschaft tätig war, habe ichschon erwähnt. Andere waren im Gewerbe tätig;einzelne Gewerbe scheinen, wo die Juden sich nieder-gelassen hatten, fast völlig in der Hand der Judengewesen zu sein, so die Glasfabrikation, die Färbereiund das Textilgewerbe 3 ). Auch unter den Soldatenfinden wir zahlreiche Juden 4 ); ferner als Rheder undals Seeräuber 5 ), welcher Beruf ja nicht als unehrenhafterachtet wurde; endlich als Geldverleiher und in denschon genannten Finanzbeamtenstellen.

Die Juden liebten, wo sie sich niedergelassen hatten,zusammenzuwohnen. So schon früh in Damaskus 6 ).Sie verlangten danach als nach einer Gunst 7 ). Wosie zahlreich waren, hatten sie einen eigenen Markt 8 ).In diesem ihrem Stadtteil schlichteten sie ihre bürger-lichen Angelegenheiten untereinander vor jüdischenRichtern 9 ). Der jüdische Ghetto war also ursprünglichein Privileg, gleich den Kolonien der Phöniker undGriechen in Ägypten und den späteren mittelalterlichenKolonien der Italiener im griechischen und in denmohammedanischen Reichen.

Aber wenn auch noch so privilegiert, ja selbst,wenn, wie in Ägypten , mit dem Bürgerrecht aus-gestattet 10 ), die Juden fühlten sich und blieben stetsgegenüber den Völkern, unter denen sie sich in derDiaspora niedergelassen hatten, Fremde. Und dem

*) Jean Juster a. a. 0, II, 17. 2 ) Ebenda S. 313 ff.

») Ebenda S. 305308, 313. *) Ebenda S. 312.

») Ebenda S. 202. «) I. K ö n i g e 20, 34.

J) Jean Juster a. a. 0. II, 177178.

8 ) Ebenda I, 361362. 9 ) Ebenda II, 93 ff.

10 ) Ebenda II, 1 ff.