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Göttern im Pantheon. Obwohl die Juden römischeBürger geworden waren, erhielt man daher, um desFriedens willen 1 ), in Religionssachen die Fiktion auf-recht, daß sie Fremde seien, deren Kultus nur geduldetsei, und der kluge Finanzmann Yespasian wußte ausdieser Fiktion Nutzen zu ziehen 2 ). Er begründete denfiscus judaicus; dahin hatten die Juden für die Duldungihres den Römern fremden Gottes und seines Kultusan den Jupiter capitolinus eine Steuer zu zahlen; in"Wirklichkeit flössen diese Abgaben in die Kasse desKaisers. Dieser fiscus judaicus erhielt eine eigeneOrganisation unter einem procurator ad capitulariaJudaeorum. Vielleicht liegt darin der ideelle Ur-sprung der Beibehaltung des Fremdencharakters derJuden auch in den auf das Römerreich folgendenGermanenreichen, sowie der Kammerknechtschaft derJuden in Deutschland, des Exchequer of the Jews inEngland und der besonderen Bedeutung der Juden inFrankreich. Indes ist es für die hier gepflogene Be-trachtung gleichgültig, ob diese Vermutung haltbarist oder nicht.
Hier galt es nur zu zeigen, in welcher Weise dasin seinen Anfängen durchaus nicht kapitalistischejüdische Volk zum Kapitalismus gekommen ist. ImGegensätze zu dem hier Ausgeführten nun noch Som-barts Darlegung, wie das jüdische Volk zu der Eigen-art gekommen sei, aus der sich die jüdische Religionund in Wechselwirkung mit ihr der Kapitalismus ent-wickelt habe.
Es ist eigentümlich, daß sich Sombart gar nichtdes Widerspruchs bewußt geworden ist, wenn er einer-seits den Kapitalismus und damit auch das jüdische
J ) Ebenda pp. 339 ff., bes. p. 349.s ) Ebenda a. a. 0. I, 246, II, 282 ff.
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