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Wesen, dessen Ausstrahlung er sei, als etwas Wider-natürliches erklärt und anderseits, um die Entstehungder kapitalistisch gerichteten jüdischen Eigenart zuerklären, auf die Einwirkung besonderer natürlicherVerhältnisse auf die Entwicklung des jüdischen Menschenzurückgreift. Die germanischen Völker, lehrt er, sindaufgewachsen im Wald und am Wasser. Da herrschenNebel. Hier kein klar rechnendes Denken. Man istzufrieden mit dem Herkömmlichen. Aus dem Walde,den man rodet, aus dem Sumpfe, den man zur Scholleumwandelt, aus der Scholle, auf der der Pflug geht,stammt die „bäuerlich — oder feudal*— handwerks-mäßige“ Wirtschaftsverfassung. Hier herrscht Pa-triarchalismus, der einem jeden die ihm zukommendeNahrung zuweist. Die Juden dagegen stammen ausder Wüste. Sie sind Beduinen. In der Wüste ist derHimmel klar, nicht nur bei Tage, sondern auch klareNächte. Sie ist nicht durch Berg und Wald begrenzt.Der Blick schweift ins Unendliche. Da ist der Sitzdes abstrakten Denkens statt des konkreten Empfindens.Daher auch nach Sombart dem Judentum, wie schon be-merkt, die heilige Begeisterung für das Göttliche inder Sinnenwelt fehlt. Aus den Wüsten Palästinas sind die Juden nach Babylon gekommen, in die Groß-stadt, und leben seitdem in Städten. An die Stelleder Sandwüste tritt die Steinwüste. In der Wüste ist beiihnen Unendlichkeit des Begehrens an die Stelle des Ver-langens bloß nach Nahrung getreten. Aberder Saharismusallein hätte die Juden nicht zu Kapitalisten gemacht ohnedas Geld. Es dient nicht unmittelbar einem Bedürfnis;es entbehrt der Konkretheit; es ist die absolute Ver-körperung von Reichtum. Daher die Unbegrenztheitdes Verlangens, mit dem die Menschen nach ihm be-gehren. Diesem Verlangen dient die Geldleihe; siebietet die Möglichkeit, den Beliehenen bis zur Preis-