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Lu jo Brentano
Behauptungen. Nur das eine ist richtig, daß die Judenursprünglich kein Handelsvolk gewesen sind. Dagegenhabe ich im vorstehenden ausreichend dargetan, daßin Palästina die große Hasse der Juden aus kleinenBauern bestanden hat, die im Schweiße ihres Angesichtsihre Beider pflügten und ihr Öl preßten. Desgleichenhaben wir gesehen, daß die dortigen klimatischen Ver-hältnisse der Schilderung Sombarts in keiner Weiseentsprechen. Auch läßt er selbst, unbekümmert umseinen Satz, daß die „bäuerlich- oder feudal-handwerks-mäßige“ Wirtschaftsverfassung aus dem Walde, demSumpfe und der beackerten Scholle stamme, was alleser dem Lande Kanaan abspricht, an anderen Stellen ! )die aus der unendlichen Wüste kommenden hebräischenMächtigen und Großen in Kanaan Fronhöfe nach Artder Villen Karls des Großen organisieren, auf denensie, gleich den zur Zeit der Völkerwanderung in daswestliche Europa einbrechenden germanischen Eroberern,mit Hilfe der von ihnen Unterworfenen wirtschaften.Während endlich bei anderen Völkern des Altertums,die nicht aus der Wüste stammen, wie z. B. den Römern,Freiheit und Leben des Schuldners der Gnade desWucherers bis zum Recht, seinen Leib zu zerstückeln,preisgegeben war 2 ), galt bei den Juden in der Zeitvor dem Exil für die Geldleihe das absolute Verbot,Zins zu nehmen, ohne jedwede Einschränkung, undjedes siebente Jahr fand vollständiger Schulderlaßstatt. Auf all dies gehe ich nicht mehr weiter ein.Nur bei dem, was Sombart über den Einfluß derWüste auf das menschliche Gemüt schreibt, möchte ichnoch verweilen.