Judentum und Kapitalismus
485
Auch seine diesbezüglichen Aufstellungen zeichnensich durch mutwilliges Auftrumpfen von Einfällen un-beeinflußt von Sachkenntnis aus. Sombart spricht vonden Juden als hervorgegangen aus jenen Rassen, diein den großen Wüsten Nordafrikas . Arabiens undKleinasiens von einer glühend heißen Sonne in einertrocken-heißen Luft ausgekocht worden seien 1 ). Da-nach sollte man meinen, daß es nahezu unerträglichsei, dort zu leben. Nun schreibt aber Peschei 2 ): „Werimmer die Wüste betreten hat, rühmt ihren wohl-tätigen Einfluß auf das körperliche Befinden. AloisSprenger gesteht, daß ihre Luft ihn mehr gestärkthabe, als die unserer Hochalpen oder die des Himalaja “,und im nächsten Absatz fährt Peschei fort: „JederReisende, der noch die Wüsten Arabiens und Klein-asiens durchzog, spricht begeistert von ihren Schön-heiten, alle rühmen sie Luft und Licht, preisen sie dasGefühl der Erquickung und eine merkwürdige Steige-rung der geistigen Spannkraft.“ Weit entfernt fernerdavon, daß die Wüste der Sitz abstrakten Denkensim Gegensatz zum konkreten Empfinden wäre, schreibtSprenger: „Die Phantasie, welche die Menschen inihrer Kindheit leitet, wird in den unbegrenzten Ebenenmit ganz anderen Bildern erfüllt, als in den Wäldern.Sie sind wenig zahlreich, aber großartig, und zwarschafft sich der Mensch aus seinem eigenen Kraft-bewußtsein eine kühnere Persönlichkeit, auf die er beiseinen Wanderungen angewiesen ist, einen persönlichenGott.“ Also die Wüste ist die Stätte, die mit denerhabensten Eindrücken die Seele füllt und einer groß-artigen, das All gefühlsmäßig verklärenden Phantasie.Auch haben diese durch sie hervorgerufenen Eindrücke
P Sombart, Die Juden usw., S. 404.
2 ) P e s c h e 1, Völkerkunde, S. 333.