Druckschrift 
Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei / Paul Englisch
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

schiedene Ausgaben in den verschiedensten Kultursprachen,von ChoriersAloysia Sigea " an 60, von MussetsGamiani"ebensoviel usw. Die als berechtigt anerkannte Schutzlosigkeitvon Pornographien hat dazu geführt, daß nicht nur ganze Werkeunbefugt unter dem ursprünglichen Titel neu aufgelegt werden,sondern daß das fragliche Erotikon auch mit einem neuen, viel-leicht zugkräftigeren Titel auf den Markt gebracht wird.Lebende Bilder" erschienen z. B. auch unter ,,Zu Füßen derFrau Herzogin",Das Börsenspiel der Gräfin Stellamare" auchunter dem TitelDer Nacktball in der Annengasse",EdmeesAusbildung zur Demivierge" unter dem TitelRosinens Jungfern-schaft" undErlebnisse der schönen Rosine".Die schöne Ernaoder Leben und Abenteuer einer Modistin" erlebte Neuauflagenunter den TitelnDer Lebenslauf einer Prostituierten",Liebes-leben einer Putzmamsell",Die schöne Mathilde" usw.DasLiebestheater. Ein Studentenbuch für Anfänger im Liebesspiel"kam auch unter dem TitelReigen. Erotisches Pendant zu demviel umstrittenen Reigen von Schnitzler " heraus.Die tollenStreiche des jungen Rembrandt" erlebten eine Auferstehungunter dem TitelVon Frauen Lust und Männer Gaukelspiel"usw. Zu besonderer Meisterschaft in dieser Art Plagiierungbrachte es der französische Erotikaverleger Vital-Puis-s a n t. Als dritte Kategorie der Plagiate findet sich die Ueber-nahme einzelner Szenen oder Motive des alten Werkes. Esseien hier nur einzelne Beispiele genannt. Das ErotikonMilordArsouille ou les bamboches d'un gentleman" (1789) ist nichtsweiter als eine unverschämte Plünderung des Mirabeau (fälschlich) zugeschriebenen WerkesHic et Hec".Les ex-ploits du colonel Vergenmain" (1880) bearbeitet ganz ungeniertdas 1879 erschienene ErotikonThe experimental lecture ofcolonel Spanker".Die Beichte eines Sünders. Memoireneines Erotomanen" (Berlin 1908) plagiiert den Grundgedankenund die meisten Szenen vonJames Grunert". Wenn man denStil beider Werke miteinander vergleicht, so könnte man aufden gleichen Urheber schließen. Es läge dann ein Fall vonSelbstplagiierung vor. Und schließlich wird auch nur der

15