Titel plagiiert, um für einen wertlosen Schmarren Absatz zufinden. So sind z. B. die Titel der bekannten Erotika „Memoireneiner Sängerin", „Denkwürdigkeiten des Herrn von H ..." usw.mehrfach als Aushängeschild für minderwertiges Literaturgutverwendet worden. Die bibliographische Titelaufnahme undEinrangierung von Neuerscheinungen von Eroticis in der Biblio-graphie von G a y ist deswegen zuweilen nicht zuverlässig, weildie Verfasser diesen Zusammenhängen zu wenig Aufmerksam-keit gewidmet haben. —
Wenden wir uns nun wieder der stubenreinen Literatur zu,so fällt auf, daß selbst das „moralische" Amerika seine Plagiats-affären hat. Gegen einen der bekanntesten amerikanischen Er-zähler, ZaneGrey , wurde der Vorwurf mißbräuchlicher Be-nutzung fremden geistigen Eigentums erhoben. Nach einem Be-richt des „Berliner Tageblatt" Nr. 341 vom 22. 7. 1930 stellte eingewisser Charles A. Maddux aus Los Angeles gegen ihnAnsprüche auf Schadenersatz in Höhe von nicht weniger als500 000 Dollars, auf Grund der Behauptung, Greys Roman „Diedonnernde Herde" sei einer im Jahre 1907 geschriebenen Ge-schichte des verstorbenen Büffeljägers John H. Cook ent-nommen und er (Maddux) sei mit der Wahrnehmung der Rechtebetraut worden.
Die bekannte englische Schriftstellerin Baronin O r c y ver-öffentlichte 1920 einen Roman „Nicolette", der in der ganzenHandlung ein verwerfliches Plagiat an dem Roman „Lumpen-müllers Lieschen" der Wilhelmine Heimburg ist.
Die Frau des bekannten Sinclair Lewis (= DorothyThompson) beschuldigt den nicht minder bekannten Theo-dore Dreiser des Plagiats (Dreiser looks at Russia-Sowjet-russland, deutsch bei Paul Zsolnay in Wien ) an ihren kurz vor-her in der New Yorker „Evening-Post" erschienenen Schilde-rungen. Etwa 20 000 Wörter sollen übernommen sein 15 ).
EduardDouwesDekker, besser bekannt unter seinemSchriftstellernamen Multatuli , hatte in seinem Roman „MaxHavelaar" die durch das Kolonialsystem betriebene Ausbeutung
") Die literarische Welt, Nr. 2 von 1929, S. 7.
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