gegeißelt. Doch geriet sein Roman so in Vergessenheit, daß einjunger deutscher Dramatiker es wagen konnte, eine Dramati-sierung des „Max Havelaar" drucken zu lassen, „ohne seineQuelle auf der Titelseite oder im Vorwort auch nur zu er-wähnen, und weil diesem jungen Dramatiker noch kein Kritikerauf die eifrigen Finger geklopft hat" 16 ). Dieses Stück heißt„Insulinde", der Autor ist Anton Eugen Ortner. Er-schienen ist es im Verlag des Bühnenvolksbundes.
Edgar Allan Poe hat Longfellow des Plagiats be-zichtigt"). Klaus Groth sah sich genötigt, energisch gegenderartige Bezichtigungen sich zur Wehr zu setzen 18 ).
Conrad Ferd. Meyer formte bewußt fremde Stoffe umund gestaltete sie neu, ohne die Quelle namhaft zu machen. Inseiner Novelle „Gustav Adolfs Page" z. B. fußt er stark aufHeinrich Laube , der in der Einleitung zu seinem Drama„Monaldeschi" von seinem Jugenddrama „Gustav Adolf" spricht.Die Zusammenhänge zwischen dem unfertigen JugendwerkLaubes und der Meisternovelle Meyers sind ziemlich eng. Nichtnur in der Einführung eines weiblichen Pagen, der aus einemNürnberger Patriziergeschlecht stammt, stimmen sie überein,sondern auch in der Motivierung des Untergangs des Schweden-königs, der als Sühne für sein Begehren nach der deutschenKönigskrone aufgefaßt wird. Meyer fand auch bei Laube schonden Gegensatz zwischen dem Schwedenkönig und dem Herzogvon Lauenburg, der ihn nach einer Sage erschossen haben soll,sehr stark betont 10 ).
Allein Heinrich Laube zeigte selber in der Einschätzungfremden Eigentums ein überaus weites Gewissen. Er als all-mächtiger Direktor des tonangebenden Wiener Burgtheatershatte als solcher natürlich die beste Gelegenheit, die Theater-
le ) Leo Hirsch , Versunken, vergessen und verraten, im „Berliner Tage-blatt v. 7. 12. 1930.
") A. Ehrenstein im „Berliner Tageblatt" Nr. 508 v. 27. 10.29.
18 ) Rolf Erdmann, Klaus Groths Kampf um seinen Ruf, etc. in: „Mit-teilungen aus dem Quickborn, Jhrg. 22, 3. Sommer 1929, Seite 82—87.
19 ) Emil Ermatinger in der Einleitung zu dieser bei H. Haessel in Leipzig erschienenen Ausgabe.
2 Meister den Plagiats
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