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Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei / Paul Englisch
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Produktion der Zeit verfolgen zu können, denn zahlreicheDramen und Lustspiele wurden ihm zur Aufführung an dem ihmunterstehenden Institut von bekannten und unbekanntenAutoren angeboten. Er brauchte also nur zuzugreifen under tat es, ohne sich die geringsten Skrupel zu machen. Anläß-lich des Streites zwischen B a c h e r 1 und Friedrich Halm ( Freiherr von Münch-Bellinghausen) wies ihm der HumoristSaphir in seiner ZeitschriftDer Humorist" vom 21. März1856 einige bezeichnenden Fälle nach. Als Pastor Me i n h o 1 dseine aufsehenerregendeBernsteinhexe" hatte erscheinenlassen, eiferte ihm Laube sofort nach und mußte sich von Mein-hold des Plagiates bezichtigen lassen. Als Michel Beer seinenStruensee" herausgab, hatte Laube nichts Eiligeres zutun, als sich an das bewährte Vorbild in dem gleichnamigenStücke anzulehnen. Deinhardstein hatte Shakespeares LustspielWas Ihr wollt " unter dem TitelViola" bearbeitet,Laube gab das gleiche Lustspiel in Deinhardsteins Bearbeitungunter dem ursprünglichen Titel. Als die PosseDer Vater derDebütantin" von Laube aufgeführt wurde, mußte der wirklicheVerfasser B. A. Hermann die unliebsame Entdeckungmachen, daß es sein eigenes Stück sei und ließ sich gutmütiggenug von Laube mit einem Bettelhonorar abfinden. Ein Schrift-steller Jerrmann hatte eine Übersetzung vonLady Tartüff"zur Prüfung an Laube eingesandt, es aberals unbrauchbar"zurückerhalten. Das hinderte Laube jedoch nicht, es sofort anseinem Theater ohne Nennung des Autors aufzuführen. Auchals eigener Autor wünschte der allmächtige Theaterdirektor zuglänzen, und seinEssex" hatte auch nachhaltigen Erfolg, leideraber deckte es sich mit dem StückeLiebe und Staatskunst"von Carl Ludwig Werther.

Schließlich muß noch erinnert werden an die ziemlich frag-würdige Rolle, die Laube in dem Autorstreit zwischen dem be-reits erwähnten B a c h e r 1 und Friedrich Halm spielte.Der Erstgenannte, ein biederer, weltunkundiger Schulmeistervom Starnberger See , hatte Laube ein von ihm verfaßtes StückDie Cherusker in Rom " zur Aufführung eingereicht, erhielt es

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