Und stand in süßen Freuden.Röslein, Röslein, Röslein rot,Röslein auf der Heiden.
Ferner findet sich in den Erinnerungen der Markgräfin vonAnsbach eine spukhafte Geschichte, die mit dem Namen derfranzösischen Schauspielerin C1 a i r o n eng verknüpft ist undsich ganz ähnlich in den „Unterhaltungen deutscher Ausgewan-derter " wiederfindet").
Aber Shakespeare und Goethe stehen mit dieser weitherzigenAuffassung nicht isoliert da. Eduard Stemplinger 80 )führt Urteile der erlauchtesten Geister an, die ihren diesbezüg-lichen Standpunkt zweifelsfrei charakterisieren. Hier sprechenMänner wie Lessing, Schiller, Wieland, Tieck ,Spielhagen, A. de Musset , Chenier, Geibel,R a f f a e 1 ganz unumwunden aus, daß sie ihren Stoff nur höchstselten eigener Erfindung verdanken, daß dieser auch nicht denMeister mache, sondern die Art der Behandlung. Am bestenpräzisiert Geibel diesen Standpunkt:
Woher ich dies und das genommen?Was geht's euch an, wenn es nur mein ward?Fragt ihr, ist das Gewölb vollkommen.Woher gebrochen jeder Stein ward?
Sie alle verteidigten die Nachahmung, die Entlehnung, — diewir heute als Plagiat bezeichnen, — unter der Voraussetzung,daß der Autor dem gegebenen Stoffe nur den eigenen Atemeingehaucht habe. Der Stoff an sich bedeute gar nichts, dieAusführung alles. So gestaltete Schiller Carlo G o z z i stragikomisches Märchen „Turandot" selbständig um, Shake-speare modernisierte ältere Schauspiele und Komödien, oftmit Beibehaltung derselben Szenen und Ausdrücke, genau sowie Moliere in seinem Lustspiel „Les Fourberies de Scapin "zwei ganze Auftritte aus Cyrano de Bergeracs ,,Le
u ) Vgl. Siegfried Nassauer, in: Goethe-Kalender 1933, Jhrg. 26, S. 152 bis189; Dr. Julius Schuster, Goethe als Plagiator? Hist.-krit. Send. Brief anDr. Dr. h. c. Wilhelm Junk . Ein Intermezzo zum Festessen der Gesellschaftder Bibliophilen am 15. November 1931 (Neubrandenburg 1931, richtig:Berlin, W. Junk ); 14 S. 1 Abb.; H. Bogner, Eine unbekannte EntlehnungGoethes, in: Philologus 1932, Bd. 87, H.4, S. 1481/2.
*) a. a. 0. S. 158—162.
25