pedant joue" übernahm. Sein Lustspiel „Der Geizige" geht aufP 1 a u t u s zurück, die „Schule der Ehemänner" auf T e r e n z.Sein „Don Juan" ist dem spanischen Original des Tirso deM o 1 i n a nachgebildet und seine „Prinzessin von Elide" der..Donna Diana" von M o r e t o 58 ).
Wird durch diese laxe Auffassung ihre überragende Bedeu-tung irgendwie geschmälert, sinken sie deshalb in der Achtungder Nachwelt? Bleiben sie nicht trotzdem die Heroen unsererGeisteskultur? Der Vorwurf des Plagiats wagt sich an sie nurin den seltensten Fällen heran. Dann aber sprechen in der Regelandere Gründe mit, und die Tatsache mangelnder Originalitätwird nur zum Vorwand genommen, um der unausrottbarenAntipathie ein sicheres Fundament für die versuchte Diskredi-tierung zu schaffen. So hat z. B. der bahnbrechende Gott -hold Ephraim Lessing wegen seiner Judenfreundlich-keit sich die Anschuldigung des Plagiats gefallen lassen müssen.Sebastian Brunner 37 ), Eugen Dühring ") erhobendiesen peinlichen Vorwurf, und der Anatomieprofessor PaulAlbrecht trug mit stupender Belesenheit in seinem überdiesnoch unvollendeten Lebenswerk „Lessings Plagiate" 39 ) sechsBände belastendes Konfrontationsmaterial zusammen, aus demmit unumstößlicher Sicherheit hervorgeht, daß fast alles, wasLessing verfaßte, schon vorher ganz ähnlich von anderen ge-schrieben war. Nach Albrecht hätte Lessing überhaupt keineneinzigen eigenen Gedanken gehabt. Für die „Minna von Barn-helm" zählt er 319 fremde Flicken, für „Nathan der Weise " 340,für „Miß Sara Sampson" 436, für „Emilia Galotti " sogar 499.In einer gelegentlichen Stunde der Selbsteinkehr gesteht Lessing seine Abhängigkeit auch zu 40 ): „Ich würde so arm, so kalt, sokurzsichtig seyn, wenn ich nicht einigermaßen gelernt hätte,fremde Schätze bescheiden zu borgen (!), an fremdem Feuer
M ) Hans Landsberg a. a. O. S. 122.
") Lessingiasis und Nathanologie, Paderborn , 1890, S. 208.M ) Die Überschätzung Lessings und seiner Befassung mit Literatur, 2. Aufl.,Leipzig 1906.
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