zugrunde, ferner eine ältere verschollene Übersetzung „DerMann von Welt, eingeweiht in die Geheimnisse der Lebens-klugheit. Ein nach Balthazar Gracian frey bearbeitetes voll-ständig nachgelassenes Manuskript" von Carl HinrichHeydenreich, Neueste Auflage Leipzig 1917 43 ).
Rücken wir einen Schritt weiter vor, so finden wir, daß vonden Neueren Otto Erich Hartleben den Stoff zu seinerprächtigen Geschichte „Vom gastfreien Pastor" nicht selbst er-funden hat, denn sie lag bereits in vierfacher Fassung vor.Karl Herloßsohn erzählt die Anekdote ziemlich humor-los in „Fahrten und Abenteuer des M. Gaudelius Enzian" 44 ),woraus wiederum WillibaldAlexisim ersten Band seinesRomans „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" schöpfte 45 ). Ausführ-licher steht dann die Anekdote in „Die Geschichte der Prosti-tution und der Verfall der Sitten in Berlin seit den letzten50 Jahren etc." 46 ). Hartleben will nun 47 ) den Stoff ausHebbels „Tagebüchern", die zuerst 1885/86 erschienen, ent-nommen haben. Ich halte diese Angabe für unrichtig, dennHartleben , der ständiger Kunde bei den „fliegenden Buch-händlern" war, mag auf deren Karren viel eher den Schmökeraus dem Verlage von Prinz, worin der Stoff bereits in vorzüg-licher Anordnung vorhanden ist, entdeckt und gelesen haben,als in den gewiß sehr interessanten, aber lange nicht so amü-santen Tagebüchern Hebbels , wo überdies nur ein kurzer Hin-weis enthalten ist.
Aber auch Hebbel geht anscheinend auf ein noch älteresVorbild zurück, denn schon in den anonym herausgekommenen„Anecdotes secretes du dix-huitieme siecle" 48 ) wird erzählt,daß der Erzbischof von Tarbes im Jahre 1774 auf der Pont-Neuf
* s ) Julius Frauenstaedt in Nr. 208 vom 6. 9. und Nr. 214 vom 13. 9.1874 der„Vossischen Zeitung".
") 1843; vgl. Fedor v. Zobeltitz, im „Berliner Tageblatt" Nr. 285 v.6. 6. 1918.
") Neues Wiener Tageblatt Nr. 25 von 1906.
M ) Altona , Verlagsbureau A. Prinz 1871, S. 21—22.
47 ) Nach den persönlichen Erinnerungen v. Martin Birnbaum, im „BerlinerTageblatt" Nr. 297 v. 13. 6.1918.
") Von Pierre J. N. N o u g a r e t. Paris , 1808, I, S. 71.
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