einer vornehmen von einem goldbetreßten Lakaien begleitetenDame begegnete, deren Wagen umgekippt sei. Der Prälat habesie höflichst gebeten, in seiner eigenen Karosse Platz zu nehmenund habe sie durch ganz Paris gefahren, ohne zu wissen, daßer der Gourdan, der berühmtesten Kupplerin seiner Zeit, Gast-freundschaft und Quartier gewährte.
Wie dem auch sein mag, fest steht jedenfalls, daß Hartlebensich eng, ja sogar sehr eng an bereits vorhandene Vorbilderanschloß. Wer lediglich auf das Stoffliche aus ist und von derdie Originalität erst eigentlich offenbarenden Bearbeitungabstrahiert, mag hier immerhin von Plagiat sprechen.
Um Einseitigkeit zu vermeiden und nicht den Verdacht auf-kommen zu lassen, als ob nur deutsche Autoren in der Fragedes geistigen Eigentums etwas zu weitherzigen Anschauungenhuldigten, seien noch einige ausländische Schriftsteller undDichter namhaft gemacht, die man mit Recht des Plagiats be-schuldigte.
Von Restif de la Bretonne weiß man, daß er inseinem graphomanischen Triebe einen Band nach dem anderenfüllte und die Erzeugnisse seines Geistes in seiner Keller-druckerei selbst druckte. Schließlich machte es ihm zuvielMühe, seine Romane, Erzählungen und Reportagen erst zu ent-werfen, sondern er setzte sie sofort ohne Vorlage. Trotzdemwäre es ihm, auch wenn man sein langes Schriftsteller-Daseinin Betracht zieht, kaum möglich gewesen, diese Unzahl vonBänden (es sind über 150) selbst zu schreiben. Tatsächlich sindunter ihnen eine ganze Anzahl, die nicht aus seiner Federstammen. Der Bibliophile Paul Lacroix hat 49 ) hinsichtlicheiniger Werke den Nachweis hierfür geliefert. Restifs „Ideessingulieres", die den „Pornographe", „Mimographe", „Gyno-graphe", „rAndographe" und „Thesmographe" umfassen,stammen 50 ) nicht von ihm, sondern von Pierre LouisGinguene (geboren 1748), der sie Restif zum Druck anver-traute. Sie erschienen zuerst ohne den Namen des Autors.
«•) Im „Bulletin du bouquiniste", 1857, S. 372—374, 393—394.*°) wie aus Monsieur Nicolas , XVI, 4561, hervorgeht.
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