anzufangen wußte, eins der reizendsten modernen Lustspielegemacht hat. Und es kann ihm wie den anderen Entlehnernschwerlich zum Vorwurf gereichen, daß sie mit dem Pfunde desNächsten zu wuchern verstanden 82 }.
1862 gab Henri Plaze de Bury heraus „Chevalier deChasot. Memoires du temps de Frederic le Grand" (Paris ). Dieüberaus mangelhafte Kenntnis der Franzosen vom deutschenSchriftwesen ließ diese Arbeit anstandslos passieren. In derSonntagsbeilage der „Vossischen Zeitung" Nr. 220 vom 20. Sep-tember 1863 wird in dem Artikel „Literarische Freibeuterei"jedoch der Nachweis geliefert, daß dieses angeblich wissen-schaftliche Werk nichts weiter ist als ein verbessertes Plagiatan Louis Schneiders „Geschichte der Oper und desKöniglichen Opernhauses zu Berlin" (Berlin 1842} und K u r dvon Schloezer, „Chasot. Zur Geschichte Friedrichs desGroßen und seiner Zeit" (Berlin 1856).
Als genialen Plagiator muß man auch den berühmten Cha-teaubriand bezeichnen. Joseph B e d i e r ") sowie E.Dick 64 ) haben den Nachweis erbracht, daß der Dichter etwafünf Sechstel seiner „Voyage en Amerique" aus drei zeitgenössi-schen Reisewerken abgeschrieben hat, und zwar vielfach Wortfür Wort. Sein wichtigstes historisches Werk, der „Discours surla chüte de l'empire romain", ist ein bloßer Auszug ausGibbons „History of the Decline and Fall of the RomainEmpire". Bei „Atale", „Les Martyres", „Les Natchez", „LeGenie du christianisme" ist M i 11 o n sein Vorbild. Chateau-briand hat seine Opfer auf verschiedene Weise ausgenützt. Ent-weder legte er auf sie Beschlag mit dem Rechte des Stärkerenoder er ahmte sie nach oder er entwickelte ihre noch unaus-gereiften Gedanken zu höchster Vollkommenheit, so daß selbstE. Dick, der ihm sein Sündenregister vorhält, sich vollerRespekt über diese grandiose Fertigkeit äußert 00 ).
6S ) Neue deutsche Rundschau, 1890, 556.
B3 ) Revue d'histoire litteraire de la France vom 15.10.1899 und 15.10.1900.54 j Plagiats de Chateaubriand. Berner Dissertation 1905.BB ) Vgl. seine Ausführungen: Plagiat, Nachahmung und Originalität beiCh.: Germanisch-romanische Monatshefte 1911, S. 394—410.
3 Meiiter d« Plagiat«
33