Auch Murger hat die meisten seiner so originell an-mutenden Typen seiner „Scenes de la vie de Boheme " nichtselbst erfunden, sondern einem Vaudeville „Place Ventadoux"von Paul de Kock entnommen, der wiederum durch die„Etudiants" von Frederic Soulie angeregt wurde. DessenErzählung „Un jeune homme charmant" gibt weiterhin das Vor-bild ab für den „Monsieur Alphonse" des jüngeren Dumas ,der als echter Sohn seines ehrenwerten Papas (auf den wir nochzu sprechen kommen) für seine vielgerühmte „Dame auxCamelias" zum Teil die Vorgeschichte aus der „Fernande" vonDumas pere entlehnte. Auch dieser zeichnete nicht verantwort-lich dafür, sondern erwarb sie von einem gewissen HippolyteAnger. Ferner haben die „Filles d'Eve" Arsene Hous-sayes bei der „Cameliendame " Pate gestanden.
Als systematischen Plünderer seiner Zeitgenossen nenntRaoul Deberdt in der „Revue des Revues" (1899) nochEugene Sue , der es mit großer Geschicklichkeit verstand,erfolglos gebliebene Romane für den Geschmack seiner Zeit-genossen zurechtzuschneidern. In seinem berühmtesten Ro-mane „Mysteres de Paris" und „Juif errant " stützt er sich aufRomane von Madame Monborne und Michel Masson .
Selbst dem großen Emile Zola hat Gaston Des-c h a m p s den Beweis erbringen können, daß er aus den ver-schiedensten Schriftstellern entlehnt hat, z. B. aus GeorgesGoyau, Andre Perate , Paul Favre, CharlesB e n o i s t und Ranke, und Francois Coppe , ZolasVertreter für die Akademie, mußte gegenüber den Anklagenverstummen 66 ). Zola, dem man weiterhin den Vorwurf machte,daß er mit seinem „L'Assommoir" (1877) ein 1870 erschienenesWerk „Le sublime " von Denis Poulot plagiiert habe, ver-teidigte sich jedoch mit vollem Recht gegen die unbegründeteBeschuldigung in der „Gazette anecdotique" vom 29.2. 1880:„Es ist ganz richtig, daß ich einige Auskünfte dem Buche „Lesublime" entnommen habe. Dieses Werk bildet aber keine er-fundene Schilderung, keinen Roman, sondern eine Sammlung
M l Richard Muther, Die Muther-Hetze, München und Leipzig , 18%, S. 19.
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