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Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei / Paul Englisch
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von wirklich gehörten Worten und von wirklichen Vorfällen.Aus diesem Material etwas borgen, ist eine Anleihe bei derWirklichkeit. Da sich durch die Beschuldigungen gegen michgerade die beste Gelegenheit dazu ergibt, danke ich Poulotöffentlich dafür, daß mir seine Arbeit Dialektworte geliefert hat,ferner wirkliche Namen, die ich für meinen Roman wählenkonnte, endlich Vorfälle, die ich mir zu übernehmen gestattethabe. Meine literarische Vergangenheit hätte mir auch ge-stattet, die Angriffe unbeantwortet zu lassen, kein Mensch hättemich für einen Plagiator gehalten. Eine derartige Zumutungwäre geradezu komisch. Ich nehme die Dokumente aus derWirklichkeit, wo ich sie gerade finde" 07 ). Muther nennt außer-dem noch Hippolyte Taine, Thierry und GeorgBrandes als Plagiatoren in landläufigem Sinne. Bei ihnensteht da und dort ein Satz, manchmal sogar eine ganze Seite,die schon ein früherer Forscher geschrieben, wörtlich, ohneGänsefüßchen und ohne Quellenangabe herüber genommen".

Gabriele d'Annunzio soll den Pariser Boulevard-dichter P e 1 a d a n bestohlen und mit seinem RomanII piacere"ein Plagiat begangen haben. Freimütig gesteht er zwar zu, demBuche eines Zeitgenossen, das ihm zufällig unter die Augen kam,einige Bilder und Einzelheiten entnommen zu haben, ebenso wieandere Bilder aus römischen Chroniken des 16. und 18. Jahr-hunderts. Mit Recht aber stellt er die Frage: Was haben siemit der Komposition zu tun ? Wenn er den von ihm geschaffenenKunstwerken seinen persönlichen Stempel aufgedrückt habe, sosei er Eigenschöpfer.Die wahre Originalität eines Schrift-stellers besteht in der Kunst, so zu arbeiten, daß alles, was erberührt, ihm für immer anzugehören scheint" 68 ) Allein seinebestechenden Ausführungen, gegen die man nicht das geringsteeinzuwenden vermag, erhalten jedoch in seinem Munde einenziemlich problematischen Wert, wenn man berücksichtigt, daßer in der Frage des geistigen Eigentums noch laxere An-schauungen vertritt, als er zuzugestehen wagt. B e n e d e 11 o

Vgl, Stranik, S. 503.M ) Neue deutsche Rundschau, 1896, S. 300.

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