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Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei / Paul Englisch
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Croce") und A. H. S a v a g e Landor 80 ) (in seiner Auto-biographie) hattenden begründeten Vorwurf erhoben, daßd'Annunzio sowohl inPiü che l'Amore" mehrere Sätze undganze Stellen wörtlich aus Landors WerkAuf verbotenenWegen" abgeschrieben hat als auch später inForse che si, forseche no" (Vielleicht, vielleicht auch nicht") eine große MengeLandorschen Materials sich willkürlich angeeignet habe. Dabeibesaß dAnnunzio noch die Kühnheit, sich das LandorscheMaterial von diesem selber unter der Vorspiegelung, daß er eszu einem Feuilleton über Landor benötige, geben zu lassen."Eine derartige bewußte Täuschung des Opfers läßt sich kaumnoch rechtfertigen, sondern streift schon bedenklich den Tat-bestand des geistigen Eigentumdiebstahls.

Ein Literaturhistoriker Jules Robert hat inLa FranceIitteraire"" 1 ) die Plagiate Clement Marots zusammen-gestellt. Er hätte ebensogut seine Untersuchungen auf denEssayisten Montaigne ausdehnen können, der die Alten,insbesondere Seneka und Plutarch, nach Kräften für seineZwecke ausschlachtete, auf La Mothe Le Vayer , Saint-Evremond, auf Racine und Lafontaine, auf B a y 1 eund Fontenelle, auf Pascal und M o 1 i e r e , aufVoltaire und Rousseau . Sie alle nahmen nach Molieresbedenkenlosem Bekenntnis das Gute, wo sie es fanden. Es wirktdeshalb komisch, wenn einige von diesen sich beklagten, daßsie ihrerseits wiederum von anderen ausgeschlachtet wurden.Der Abbe Prevost d'Exiles warf dem scharfen SpötterAlexis Piron vor, daß dessenGustav Wasa " in seineninteressantesten Situationen seinenMemoires d'un homme dequalite" nachgebildet seien, während dieser behauptete, daßPrevost sie erst aus dem StückAbbe de Vertot" geholt habe 62 ).

So geschah es beispielsweise auch Voltaire, was nicht

**) In seiner ZeitschriftLa critica" vom 20. Januar 1914.

) Nach E. Stranik, Ueber das Wesen des Plagiats: inZeitschrift fürdeutsche Bildung " 1930, S. 502.

") Herausgegeben von Ch. Malo, 9. Jhrg. 1840, S. 6573.

**) Welscher Witz. Ein Franzosenspiegel in Anekdoten aus dem 16. bis19. Jahrhundert von Ernest Wieland. Stuttgart 1914, S. 81.

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