Croce") und A. H. S a v a g e Landor 80 ) (in seiner Auto-biographie) hatten „den begründeten Vorwurf erhoben, daßd'Annunzio sowohl in „Piü che l'Amore" mehrere Sätze undganze Stellen wörtlich aus Landors Werk „Auf verbotenenWegen" abgeschrieben hat als auch später in „Forse che si, forseche no" („Vielleicht, vielleicht auch nicht") eine große MengeLandorschen Materials sich willkürlich angeeignet habe. Dabeibesaß dAnnunzio noch die Kühnheit, sich das LandorscheMaterial von diesem selber unter der Vorspiegelung, daß er eszu einem Feuilleton über Landor benötige, geben zu lassen."Eine derartige bewußte Täuschung des Opfers läßt sich kaumnoch rechtfertigen, sondern streift schon bedenklich den Tat-bestand des geistigen Eigentumdiebstahls.
Ein Literaturhistoriker Jules Robert hat in „La FranceIitteraire"" 1 ) die Plagiate Clement Marots zusammen-gestellt. Er hätte ebensogut seine Untersuchungen auf denEssayisten Montaigne ausdehnen können, der die Alten,insbesondere Seneka und Plutarch, nach Kräften für seineZwecke ausschlachtete, auf La Mothe Le Vayer , Saint-Evremond, auf Racine und Lafontaine, auf B a y 1 eund Fontenelle, auf Pascal und M o 1 i e r e , aufVoltaire und Rousseau . Sie alle nahmen nach Molieresbedenkenlosem Bekenntnis das Gute, wo sie es fanden. Es wirktdeshalb komisch, wenn einige von diesen sich beklagten, daßsie ihrerseits wiederum von anderen ausgeschlachtet wurden.Der Abbe Prevost d'Exiles warf dem scharfen SpötterAlexis Piron vor, daß dessen „Gustav Wasa " in seineninteressantesten Situationen seinen „Memoires d'un homme dequalite" nachgebildet seien, während dieser behauptete, daßPrevost sie erst aus dem Stück „Abbe de Vertot" geholt habe 62 ).
So geschah es beispielsweise auch Voltaire, was nicht
**) In seiner Zeitschrift „La critica" vom 20. Januar 1914.
™) Nach E. Stranik, Ueber das Wesen des Plagiats: in „Zeitschrift fürdeutsche Bildung " 1930, S. 502.
") Herausgegeben von Ch. Malo, 9. Jhrg. 1840, S. 65—73.
**) Welscher Witz. Ein Franzosenspiegel in Anekdoten aus dem 16. bis19. Jahrhundert von Ernest Wieland. Stuttgart 1914, S. 81.
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