Auch Rousseau , der sich so bitter darüber beklagt, daßseine philosophischen Gedanken von M a b 1 y ausgeschlachtetwurden, mußte es sich gefallen lassen, des Plagiats beschuldigtund überführt zu werden. Ein Benediktiner namens JosephC a j o t veröffentlichte anonym eine Kritik über dessen „Emile",in der er die augenfälligen Entlehnungen Jean Jacques Rous-seaus festnagelte 84 ). Und ein zweiter wichtiger Kronzeuge tratgegen ihn auf, der Abbe Dulaurens , Verfasser des be-rüchtigten „Compere Matthieu". Im Jahre 1788 veröffentlichteer sein Werk „Abus dans les ceremonies et dans les moeursdeveloppes". In der Vorrede, die er, anzüglich genug, seinemlieben Bruder Jean Jacques Rousseau widmet, erhebt er gegendiesen den schwerwiegenden Vorwurf, daß dessen „Contratsocial " kein Eigengewächs, sondern wörtlich aus U1 r i c iH u b e r t i de Jure civitatis libri III, zuerst 1684 zu Franequerim Friesland und 1718 zu Frankfurt am Main wiedergedruckt,entnommen sei. Das Plagiat könne leicht festgestellt werden,da die Vorlage in allen größeren Bibliotheken zu finden sei.
Trotz dieser scharfen Angriffe fanden ihn manche Autorenoriginell genug, um mit seinem Kalbe zu pflügen. Das Unver-schämteste leistete sich ein gewisser Castil-Blaze, der1821 in zwei Bänden einen „Dictionnaire de musique moderne"veröffentlichte. Obgleich er darin in den beleidigendsten Aus-drücken „von diesem musikalischen Ignoranten" spricht, mußdieser „Ignorant" doch dazu herhalten, ihm Material zu nichtweniger als 342 Artikeln zu liefern 85 ).
Unter den „Meistern des Plagiats" darf selbstverständ-lich auch der hoch-, aber vielfach überschätzte HenriStendhal-Beyle nicht fehlen. Schon „sein erstes Werk,die Musikerbiographien Haydns und Mozarts nebst dem LebenMetastasios (1804) war zu drei Vierteln Plagiat und Über-setzung. Der geschädigte C a r p a n i, der Verfasser der„Haydine", erhob denn auch bewegliche Klagen gegen Herrn
M ) Les plagiats de M. J. J. R.(ousseau) de Geneve, sur l'&ducation. LaHaye et Paris , Durand 1766.
") Qu6rard a.a.O. Sp. 80.
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