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Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei / Paul Englisch
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solche nicht in Erscheinung traten, sondern nur die Arbeit ge-leistet haben. Querard betont jedoch, daß er keinen Anspruchauf Vollständigkeit erhebt und daß sich bei erneuten Er-hebungen sicherlich noch weitere Mitarbeiter ergeben würden.

Indessen versorgte Dumas den Markt auch weiterhin miteigenen Produktionen, bei denen nicht wenig seine gewaltigeBelesenheit ins Auge fällt. Mit Leichtigkeit läßt sich nach-weisen, daß er Chateaubriand, Gosselin, Thierryund so manche andere Tagesgröße, die heute versunken undvergessen ist, ausgiebig benutzt, d. h. ausgeschrieben hat.Querard bringt einige recht überzeugende Gegenüberstellungen.Den Zeitgenossen konnte sein Plünderungsfeldzug nicht langeverborgen bleiben. Aber ging er jetzt in sich? Schlug er sichreumütig an die Brust mit dem Gelöbnis, sich fortan zu bessern?Ach, keineswegs, vielmehr suchte er seine Auffassung und seineHandlungsweise als ganz in der Ordnung hinzustellen. SeineGründe wirken auch wirklich bestechend. Hören wir, was ersagt:

Nicht die Einzelpersönlichkeit erfindet. Die Masse Menschin ihrer Gesamtheit tut es. Ein jeder kommt zu seiner Zeit andie Reihe, nimmt das von seinen Vätern Bekannte in Besitz,verwebt es in sein Werk unter Hinzuziehung neuer Kombi-nationen, dann stirbt er, nachdem er einige Errungenschaftender Summe der menschlichen Erkenntnisse hinzugefügt hat. Dievollständige Neuschöpfung einer Sache ist nach meinem Dafür-halten unmöglich. Gottvater selbst, als er den Menschen schuf,konnte oder wagte nicht, etwas Neues zu erfinden. Er schufihn nach seinem Bilde. In diesem Sinne äußerte sich auchShakespeare , als ihn ein blöder Kritiker beschuldigte,mitunter eine ganze Szene irgendeines zeitgenössischen Autorsin seine Werke mit verworben zu haben: ,Ich habe eine Tochteraus schlechter Gesellschaft gerettet, um sie in eine gute einzu-führen.' Und ebenso konnte M o 1 i e r e noch ganz naiv be-kennen: ,Ich nehme mein Gutes, wo ich es finde.' Shakespeare und Moliere hatten durchaus recht, denn das Genie stiehlt nicht,es erobert. Es macht aus der eingenommenen Provinz einen

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