haben. In seinem autobiographischen Buch „Ich war begeistert"(Berlin, S. Fischer Verlag) erzählt Stefan Großmann diehöchst merkwürdige Geschichte eines literarischen Diebstahls,der an ihm begangen worden sein soll. Im Jahre 1898 habe erder Direktion Jarno in Wien einen Einakter „Mondschein-sonate" eingereicht, und er sei dann höchst erstaunt gewesen,daß das Stück einige Zeit später an der Jarno-Bühne unter demgleichen Titel, aber unter Nennung eines anderen Autors, eines„jungen Dramaturgen", gespielt worden sei.
Dieser junge Dramaturg ist Ludwig Wolff gewesen, und erberichtigt die dunklen Ausführungen Stefan Großmanns dahin,daß an dieser Plagiatgeschichte nicht ein wahres Wort sei. Die„Mondscheinsonate" sei eine eigene Arbeit Ludwig Wolffs undals solche selbstverständlich auch in Wien gespielt worden.Stefan Großmann ist an diesem Theaterstück tatsächlich inkeiner Weise beteiligt. Die Gerichte gaben Ludwig Wolff recht 70 ).
Durch Zufall kam ein Plagiat an den Tag, und es entbehrtnicht eines gewissen komischen Beigeschmacks, daß bei einemliterarischen Wettbewerb gerade dieses Plagiat mit dem erstenPreis ausgezeichnet worden war. Das Stück hieß „Liebhaberund Gatte", der „Verfasser" Leon Vargas, und auf Grundder Preiszuteilung wurde das Stück in Valparaiso und der chile-nischen Provinz erfolgreich aufgeführt. Nach einer geraumenZeit erhielt der italienische Dichter Faurto Martini durchZufall Kenntnis von dem Inhalt des Vargas'schen Stückes under erklärte alsbald, dieses sei offenbar von einem seiner inItalien viel gespielten Dramen dreist abgeschrieben. Die chile-nischen Blätter gingen, wie der „Bote im Riesengebirge" vom4. Januar 1931 berichtet, der Angelegenheit nach und stelltenfest, daß Martini mit seinen Behauptungen höchstwahrscheinlichrecht habe, doch sollten die Gerichte über diesen possierlichenFall entscheiden.
Im Verlag von Dr. Wilhelm B e n a r y zu Erfurt war er-schienen: Busbeck , Vier Briefe aus der Türkei. Übersetzt
70 ) Berl. Tagebl. v. 15. U. 1930.
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