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Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei / Paul Englisch
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Marquette Universität, Milwaukee , Wis., im Oktoberheft desvon Prof. Dr. Julius Goebel herausgegebenen .Journal of Englishand Germanic Philology' hervor. Aus diesem ,William H. Pres-cott und Jakob Wassermann ' überschriebenen Essay des unszugesandten Heftes ersehen wir, daß Wassermann seine Novelle,Das Gold von Caxamalca ' zu Dreivierteln aus Prescotts ,TheConquest of Peru' kaltblütig abgeschrieben, resp. buchstäblichübersetzt hat, ohne auch nur mit einem Augenzwinkern anzu-deuten, daß er diese neue Blume in seinem Ruhmeskranz aufder amerikanischen Prärie anstatt in dem eigenen Rosariumgepflückt hat, Wahrscheinlich in der Voraussetzung, daß dieQuelle, wenigstens in Deutschland , nicht so leicht entdecktwerden würde . . . Mit Ausnahme einer geringen Modifizierungentlehnte Wassermann, so sagt Dr. Steiner, von Prescott dasKomplott, ja er ging noch weiter und übersetzte wörtlich Pres-cotts Werk zu zwei Dritteln in der Novelle ,Gold von Caxa-malca' ins Deutsche. Das ganze dritte Kapitel Wassermanns istbeinahe buchstäblich Prescott entnommen . . . Sein (Wasser-manns) Geschmack war zweifellos gut, seine Interpunktion aberbedauerlich defekt. Durch eine beklagenswerte Sorglosigkeitvergaß er allzu häufig den Doppelpunkt mit den Anführungs-zeichen zu setzen."

Soweit dieTägliche Rundschau", deren Bericht ich im Aus-zug brachte. Wassermann hat 78 ) in einer Berliner Tageszeitungsich gegen die erhobenen Vorwürfe zu verteidigen gesucht.Ichhatte", schrieb er,die Arbeit als Studium für einen großenKulturroman unternommen, hatte den Plan dann aber auf-gegeben und die Studien, wie die in Form einer Chronik ge-faßte dichterische Fiktion den Wünschen einiger Freunde nach-gebend, die sie kennen gelernt hatten, veröffentlicht. Daß dieBenutzung des Prescottschen Werkes unbemerkt bleiben würde,konnte ich dabei kaum erwarten, da es die klassische, fasteinzige Darstellung jener Epoche gibt, die ihrerseits wieder aufälteren Quellen ruht. Es kam in bestimmten Partien nicht mehrauf das Wort an, sondern auf den Rhythmus des Vorganges, der

) Nach Stranik a. a. O. S. 501.

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