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Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei / Paul Englisch
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Frey (Brief der Vittoria an M. ):Euere Schöpfungen fordern mit Ge-walt das Urteil des Beschauers her-aus; und um darin mit mehr Erfah-rung zu blicken, sprach ich davon,das was (eingeschaltet: der Formnach) vollkommen ist, noch durch(eingeschaltet: innere) Güte zusteigern, und habe erkannt: Omniapossibilia sunt credenti. Ich hatteein felsenfestes Vertrauen auf Gott,Er gäbe Euch eine übernatürlicheGnade, diesen Christus zu bilden.Dann erblickte ich ihn so wunder-bar, daß er in jeder Hinsicht allemeine Erwartungen übertraf. Dannwieder ermutigt von den WundernEuerer Hand, begehrte ich das, wasich jetzt auf wundersame Weise ver-wirklicht sehe . . .

Ludwig : Euere Schöpfungen for-dern mit Gewalt das Urteil des Be-schauers heraus, und um darin mitmehr Erfahrung zu blicken, sprachich davon, daß (sie), was der Formnach vollkommen ist, noch durchinnere Güte zu steigern wäre, dennich erkannte: omnia possibilia suntcredenti. Ich hatte ein felsenfestesVertrauen auf Gott, er gäbe Eucheine übernatürliche Gnade, diesenChristus zu bilden. Dann sah ich ihnso wunderbar vor mir, daß er injeder Hinsicht alle meine Erwar-tungen übertraf. Dann wieder, er-mutigt von den Wundern EuererHand, begehrte ich das, was ich jetztauf wunderbare Weise verwirklichtsehe . .

Diesmal haben nicht nur die Einschaltungen, sondern auch dervon Frey in den Anmerkungen übersetzte Text Gnade ge-funden; Ludwig hat sich mit der einfachen Abschrift begnügt.Ich bin bereit, die Beispiele solcher Ausnutzung nach meinenNotizen vielfach zu vermehren, aber ich kann keine Stelle bei-bringen, wo eine unbestimmte Briefstelle Frey gegenüber vonLudwig geklärt wäre. Das ist ernst, doch man kann auch herz-haft lachen: Ludwig benützt Seite 11 wie seitenweis vorherwieder einen von Frey übersetzten Brief und vermerkt: soheißt es in der zwölf Seiten langen Darstellung an einen Ver-treter des Papstes", auch diese zwölf Seiten sind nicht, wieman glauben muß, Briefseiten Michelangelos , sondern Druck-seiten Freys. In mannigfachen Wendungen, Gedanken wachsenin den Ludwigschen Text die Freyschen Briefanmerkungenhinein.

Frey (Anmerkung): . . indem erzugleich ein Sonett einsandte . . alsDank wie quasi als Bestätigung fürdie Richtigkeit der Ausführungendes Akademikers und der Beziehun-gen auf Piaton.

Ludwig : Covalieri, als Empfängerdes Sonetts öffentlich genannt, er-hielt sein Eigentum gedruckt undschickte, wie eine Bestätigung einanderes Sonett des Meisters ein.

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