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Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei / Paul Englisch
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beutete für seineDreigroschenoper " nicht nur die altenglischeVorlage des John Gay in keineswegs zu billigender Weiseaus. Darüber hätte man zur Not noch hinwegsehen können.Allein Brecht ging noch weiter. In die genannte Oper hatte ereine ganze AnzahlSongs" eingeflochten 86 ), die sich aber nach-träglich als Verdeutschung K, L. Ammers") herausstellten.Die von Kerr gebrachten Gegenüberstellungen wirken aller-dings mehr als peinlich, zum Beispiel:

Brecht, Seite 16: Ammer, Seite 87:

Ihr Herrn, urteilt jetzt selbst: ist das Ihr Herrn, urteilet selbst, was mehrein Leben? mag frommen!

Ich finde nicht Geschmack an alle- Ich finde nicht Geschmack an alle-dem, dem.

Als kleines Kind schon hörte ich mit Als kleines Kind schon hob ich stetsBeben: vernommen:

Nur wer im Wohlstand lebt, lebt Nur wer in Wohlstand schwelgt, lebtangenehm. angenehm.

Die Urstelle heißt:II n'est tresor que de vivre ä son aise."Brecht hat Ammer durchBeben" nur wenig verballhornt.

Brecht, Seite 25: Ammer, Seite 22:

Ihr Menschenbrüder, die ihr nach Ihr Menschenbrüder, die ihr nach

uns lebt, uns lebt,

Laßt Euer Herz nicht gegen uns ver- Laßt Euer Herz nicht gegen uns ver-härten, härten . . .

Hier, Menschen, laßt Euch uns zur Drum, Brüder, laßt Euch dies zur

Lehre sein, Lehre sein,

Und bittet Gott, er möge uns ver- und bittet Gott , er möge uns ver-

zeihn. zeihn.

Die Urwendung heißt:Mais priez Dieu que tous nous vueilleabsouldre", von Ammer geschickt übertragen durchUnd bittetGott , er möge uns verzeihn"; hier macht Brecht eine Fort-setzung, dieBärten" aufverhärten" reimt, nämlich:Undlacht nicht, wenn man uns zum Galgen hebt, ein dummes Lachenhinter euren Bärten."

**)Nach Villon", bei Gustav Kiepenheuer in Potsdam in Buchform er-öff entlicht.

* 7 ) Francois Villon . Des Meisters Werke ins Deutsche übertragen vonK. L. Ammer. Berlin , Hyperion-Verlag 1907.

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