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Meister des Plagiats oder die Kunst der Abschriftstellerei / Paul Englisch
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hier sucht er Versteck in einem großen Fauteuil, wo ihn niemandanders entdeckt als gerade die Person, die sich veranlaßt sieht,ihn vor der Gesellschaft zu decken, ihn als anständigen Men-schen vorzustellen und diesen Betrug durchzuführen, aus demsich dann die ganzen Verwicklungen und komischen Folge-rungen der Komödie ergeben. Kurzum: diese Szene enthält innuce die ganze Komödie und ist selbst ihr Hauptschlager . . .Daß in der .Attraktion' (wo sich übrigens der Verbrecher ganzwie im ,Krokodil' an den Zigarren und Likören des Gastgebersgütlich tut und am Schluß ähnlich verschwindet) die Folge-rungen andere sind, daß statt des ehemaligen Komplizen einRechtsanwalt gesetzt wird, der die Unschuld des Einbrechersöffentlich bewiesen hat, kommt nicht in Frage. Man kannschließlich nicht ein ganzes Stück abschreiben ..."

Lernet-Holenia meldete sich daraufhin in derKasseler Post"und imNeuen Wiener Journal" vom 3. August 1930 zum Wortin einer sehr eigenartigen Erklärung 90 ). Lernet-Holenia erklärte,ihm falle prinzipiell nichts ein, er könne ohnehin die ganzeLiteratur nicht leiden, schreibe seine Stücke nur der Tantiemenwegen und erwünsche, seine königlich bayrische Ruh' zuhaben". Gleichzeitig berief er sich darauf, daß er die Idee voneinem Dritten erhalten habe. Vielleicht habe dieser StreckersStück gekannt. ImNeuen Wiener Journal" vom 4. September1930 meldete sich nun dieser Unbekannte, Paul Frank,zum Wort:Ich bin der Unbekannte." Aber auch er behauptet,Streckers Lustspiel nie zu Gesicht bekommen zu haben. Erhabe die Idee gebracht, und in gemeinsamer Arbeit währendeines halben Jahres seien drei Fassungen entstanden. Die Auf-führung des Stückes sei dann in Kassel und Braunschweig er-folgt. Strecker habe sich an den Verlag derAttraktion" ge-wandt mit der Anfrage, ob man ihn nicht am Erlös beteiligenwolle, sei aber abgewiesen und auf den Rechtsweg verwiesenworden.

eo ) die D i e b o 1 d in derFrankfurter Ztg." Nr. 599 v. 13. 8.1930 ab-druckt, Überschrift:Attraktion mit Krokodil"; vgl. ferner Diebolds Artikelim Berl. Tagebl. Nr. 406 v. 28. 8.1930.

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