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Soll Deutschland seine Goldwährung aufgeben? / von F. Thorwart
Entstehung
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Hand in Hand mit dieser Erhöhung der Umlaufsmittel gehtdank früher unbekannter Einrichtungen ein ganz wesentlich ge-ringerer Verbrauch derselben. Die Reichsbank errichtete 1876 ihrensogenannten Giroverkehr; sie vermittelte damals Überweisungen im Be-trage von 8'5 Milliarden Mk., im Jahre 1894 von 56 MilliardenMk.; der Wert des Wechselumlaufs war in Deutschland 18709 Milliarden Mk.. 1894 dagegen 16'3 Milliarden Mk. Im Post-anweisungsverkehre wurden schon vor vier Jahren 5 Milliarden Mk. ein-und ausbezahlt. Alle diese Überweisungen, Wechseltransaktionen, Ein- undAuszahlungen erfordern nur einen sehr kleinen Betrag von baremGelde und dieses bleibt an dem Einzahlungsorte liegen; die Opera-tionen geschehen nur durch Überschreibungen in den Büchern derReichsbank, der Post u. s. w., während früher der weitaus größereTeil jener Summen fortwährend unterwegs war, fortwährend hin-und hergesandt wurde. Wie wenig Geld der Großverkehr braucht,sieht man an einigen in New-Aork und London gemachten Zählungen:in New-Dork geschahen im September 1881 die bei den dortigenNationalbanken gemachten Einzahlungen zu 94,io Prozent in Checksund Wechseln, zu 4,4» in Noten, zu 1,so in Bargeld, in London zu93^/s Prozent in Checks und Wechseln, zu 6'/» Prozent in Noten, zu!/4 Prozent in Bargeld. Die Banknote verdrängt das Metallgeldund wird selber verdrängt vom Check. Als die Bank von England 1854 in das Londoner Clearinghaus eintrat, verminderte sich ihrNotenumlauf sofort um 2 000 000 und zwar ausschließlich in1000 -L Noten, welche durch Checks ersetzt wurden. Den gleichenWerdegang wird auch Deutschlands Geldverkehr aufweisen, sobald derCheck sich bei uns mehr als heute eingebürgert haben wird. Wurdendoch von den Ein- und Auszahlungen, welche bei einer Frankfurter Bank an einigen Tagen des Monats März d. I. gemacht wurden, 67 Prozentin Checks, 32^2 Prozent in Noten und nur ^2 Prozent in Bargeld ge-leistet: also auch hier fällt letzteres gar nicht ins Gewicht. Daneben abersteht ein stets wachsender Goldvorrat in den europäischen Banken und demamerikanischen Staatsschatze: 1876 3'5 Milliarden Mk., 1894 8'3 Mil-liarden Mk., also im letzteren Jahre 140 Prozent mehr als im ersteren.

Daß ein Mangel an Umlaufsmitteln in Deutschland nicht herrscht,beweisen ferner die Diskontsatze der Reichsbank; während die PreußischeBank nie unter 4 Prozent herabging und sie in 1851 bis 1870unter der Silberwährung Wechsel nur zu durchschnittlich 4V2 Prozentankaufte, ist die Reichsbank wiederholt auf 3 Prozent herabgegangen.Ihr Satz war im Durchschnitt 1871 bis 1894 4 Prozent; im freienVerkehre der Berliner Börse wurden Wechsel erster Klasse gleichzeitig zu nur3,io Prozent, heute sogar zu nur 2 Prozent und noch billiger diskontiert.Niemals hatte die Silberwährung so niedrige Geldsätze aufzuweisen, alswir sie gerade in uusern Tagen infolge der Goldwährung beobachten.

Es ist dies ein Vorgang, an dem in letzter Zeit auch eine durchausnatürliche Ursache mitwirkt, nämlich die stetige Steigerung der Gold-