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erkannt und ihre zeitweilige Forderung: „trotz England " aufgegeben.Aber es ist keine Aussicht vorhanden, daß England an seiner Währungrütteln wird. Die große Presse und die öffentliche Meinung Englands haben sich auf das entschiedenste für die Beibehaltung des in ihrem Landeherrschenden Münzsystems erklärt und man darf getrost die Behauptungaufstellen, daß kein Ministerium, möge es einen Namen haben, welchen eswolle, sich damit in Widerspruch setzen wird. Allerdings behaupten dieDoppelwährungsmänner, daß England schließlich vor den in einemMünzbunde vereinigten Staaten zu Kreuze kriechen müsse, da sonstsein Handel isoliert werde. Aber das ist eine eitle Hoffnung, dennEnglands Handel war auch seit 1816 bis 1872 isoliert und trotz-dem geht jetzt ein Land nach dem anderen zu der zuerst von England angenommenen Goldwährung über und befindet sich wohl dabei, währenddie Finanzen und der Handel der Silberstaaten in dauernder Ver-wirrung sind und von jeder Schwankung des Silberpreises abhängen.
Die Bimetallisten sind auch in ihren Vorschlägen gar nicht einig;jedes aus ihrem Lager kommende Projekt hat nur die Stimme desAntragstellers für sich: so empfahl Direktor Königs die UmPrägungunseres Silbergelds auf der Basis von 1 : 24 — 40 6, das alsdanngleich dem Goldgelde in jeder Summe an Zahlung gegeben werden kann, eineOperation, die uns 228 Millionen Mk. kosten würde. Graf Kanitzschlug die Vermehrung der Scheidemünzen auf 75 Mk. auf den Kopfunserer Bevölkerung, d. h. auf 3750000 000 Mk. vor: ja. wenn nurder Verkehr allen diesen Plänen nicht so entschiedenen Widerstandleisten würde! Dr. Arendt beantragte die Vereinigung aller Staatenund deren Verpflichtung unter einander, alles angebotene Silber beiden großen Zentralbanken gegen Certifikate einzulagern, welche aufVerlangen zu einem jeweils auf fünf Jahre festzusetzenden niemalszu erniedrigenden Preise umgetauscht werden müssen. Diese Be-stimmung allein macht das Projekt unausführbar; die Silberausbeutenimmt trotz des unaufhörlichen Preisrückganges dank der wesentlichenVerbitligung der Produktion durch bessere Maschinen und Werkzeugestetig zu und Or. Arendt will jenen Preis auf fünf Jahre fest-legen und ihn dann niemals herunter höchstens hinaufsetzen! Daswäre wahrlich eine vortreffliche Gelegenheit für die Silberminen-besitzer, ihre Ausbeute weit über Wert anzubringen, für uns, unser Goldlos zu werden und es gegen Silber einzutauschen. Die Noten derBanken würden alsdann sehr bald nur durch Silber gedeckt sein undman hat wohl gesagt, daß es den Inhabern der Noten gleichgültigsei, ob die Unterlage in Gold oder in Silber bestehe. Indessen auchdiese Anschauung ist falsch; das Publikum ist einsichtsvoll genug, hierdas Bessere vom Guten zu unterscheiden. Als die Bank von Spanien 1892 ihr Gold verkaufte und dagegen Silber einlagerte, siel sofortder spanische Wechselkurs in Paris um 10 bis 15 Prozent. Undwelche Gefahr würde bei Ablauf der Konvention erwachsen! JederStaat wird vorher von seinem Silber soviel als möglich nach den