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Soll Deutschland seine Goldwährung aufgeben? / von F. Thorwart
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einen Vertragschließenden gegen den andern ausgebeutet werden. Öster-reich gab 1859 Papiergeld mit Zwangskurs aus, obgleich dies in?deutsch -österreichischen Münzvertrag von 1857 ausdrücklich verbotenwar; infolgedessen strömten alle österreichischen Thaler nach Deutsch-land , wo sie trotz des inneren Minderwerts für voll aufgenommenwerden mußten und geblieben sind, so daß wir den Schaden davonhatten. Ungeachtet der Bestimmungen des lateinischen Münzbundesprägten Italien und Griechenland Silber über das ihnen zugewieseneKontingentierungsquantum aus und emittierten Zwangspapiergeld; auchihre Silbermünzen wurden dadurch aus den Heimatländern vertriebenund wanderten in die Kassen der Bank von Frankreich , welche keinMittel besaß, sich ihrer zu erwehren. Jede Konvention schiebt wieFrankreich im lateinischen Münzbund und Deutschland gegenüber Öster-reich erfahren haben das Silbergeld dem mllnzmächtigsten Staatezu, welcher damit behaftet bleibt. Ein Münzvertrag ist ein Glied derKette, durch welche die betreffenden Länder eng verbunden werden undjeder Pulsschlag des einen Landes auf das andere übertragen wird.Jede kriegerische Verwicklung, jede Mißernte des einen Landes er-schüttert nicht nur die finanziellen Verhältnisse des Heimatlandessondern muß auch auf die münzverbundenen Länder zurückwirken. ImKriegsfall, wo natürlicherweise nur das Selbsterhaltungsrecht gilt,wird kein Vertrag gehalten; wir würden von allen Staaten, mitdenen wir heute Münzverträge schließen wollen, in jenen Zeiten mitminderwertigem Silber überschwemmt, unser vollwertiges Gold würde unsdagegen entzogen werden. Deshalb ist es ein wahres Wort, welches derpreußische Finanzminister v. Scholz 1886 sprach:Wer sein Vater-land liebt und nicht verraten will, kann in dem Zeitalter, in welchemKriege noch möglich sind, wo Vertragstreue nicht überall entscheidendund ewig ist, einen bimetallistischen Vertrag nicht unterschreiben!"

Welche Aussichten hat aber eine solche Konvention? Amerika und Frankreich werden nur beitreten, wenn sie darauf hoffen können,ihren ungeheuren auf 45 Milliarden Mk, geschätzten Silberballast loszu werden; jedenfalls wollen sie ihn nicht noch vermehren und sieerwarten, daß Deutschland thöricht genug sein wird, sie davon zu befreien.Auf England ist gar nicht zu rechnen; selbst Indien hat kein Interessemehr daran, seitdem seine Münzstätten geschlossen sind. Bei derenSchließung hatte die Regierung einen Mindestpreis für Silber fest-setzen wollen, indem sie sich bereit erklärte, für die Silberrupie 16 äGold zu zahlen, was einem Wert von 41'/2 ä für die Unze Silberentspricht. Aber da Silber unausgesetzt nach wie vor nach Indienströmte, so mußte die Regierung ihre Zusage zurücknehmen: eininteressantes Zeichen, daß auch das mächtigste Reich der Welt nichtin der Lage ist, einer Ware, welche einen Handelswert hat, einen da-von verschiedenen gesetzlichen Preis vorzuschreiben.

Die Bimetallisten haben neuerdings wieder die Notwendigkeitder Mitwirkung Englands an jeder internationalen Vereinbarung an-