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insofern den Bourbonen, als sie nichts gelernt haben; dabei haben sieaber im Gegensatze zu jenen auch alles vergessen! Deshalb sei vonneuem daran erinnert, daß eine gewaltsame Erhöhung der Preiseder Produktion auch eine Steigerung der Konsumartikel der Land-wirtschaft, des Handels- und des Hypothekenzinsfußes nach sichziehen muß.
Die Silberfreunde berufen sich bei ihrem Verlangen nach einer ?a°re»^-r„internationalen Verständigung" zur Hebung des Silberpreises auf den b-^Ur-lateinischen Münzbund von 1865 als Zeugen der Möglichkeit solcher Ver- 's-Wg°"'einbarung. Aber dessen Zweck war nicht, das Verhältnis von Silber zuGold aus der Basis von 15'/s: 1 zu halten, sondern den Münzender Einzelstaaten ein gemeinsames Umlaufsgebiet zu schaffen, wobeijedoch seit 1874 die Ausprägung von Silbermünzen auf ganz bestimmtevertragsmäßig festgesetzte Summen — 120 Millionen Frcs. im Jahr —beschränkt blieb. Schon damals waren auch die Staaten des lateini-schen Münzbundes davon durchdrungen, daß weder einer noch mehrerevon ihnen dem Geld im Auslandsverkehre einen höheren Wert ver-leihen können, als denjenigen Preis, welcher den dazu verwandtenMetallen im Welthandel zugestanden wird. Wohl haben im vergangenenJahrzehnt die Hauptstaaten wiederholt darüber beraten, wie sie dem Silbereinen höheren Wert verleihen könnten. Indessen sind alle Konferenzen bisjetzt resultatlos auseinandergegangen und haben nur zur Befestigungder Überzeugung gedient, daß der Verkehr jedem Versuch, dem Silbergrößere Verwendung zu verschaffen, widerstrebt. Hat nicht Amerika trotzder Bland- und der Shermanbill erfahren, daß es nicht möglich war,die Silberdollars in Umlauf zu bringen? Immerfort strömten die Münz-stücke zum Schatzamt zurück, welches nicht Raum genug zur Aufbewahrungder ausgeprägten 355 Millionen Silberdollars schaffen konnte; ja in derKrisis von 1893, als jedermann nach Gold hausieren ging, erzielten dieGreenbacks Agio, während Silber zurückgewiesen wurde. Ähnliche Erfah-rungen machte 1879 die deutsche Reichsbank, welche damals vergeblichversuchte, Silberthaler im Verkehr zu erhalten. Der Grund liegt nichtzum wenigsten in der Bequemlichkeit des Publikums, welches kein Silbermehr herumtragen will. 1000 000 Thlr. wiegen 400 Ztr., 3 000 000 Mk.Gold dagegen 23 Ztr. Wer möchte noch 20 Thalerstücke bei sich führen,wenn er dagegen drei Stücke zu 20 Mk. eintauschen kann? Bekannt-lich wurde in Österreich zu Zeiten das Papiergeld dem Silber vorgezogenund mit 20 bis 25 Kreuzer Agio für 100 Gulden gleich den Versendungs-kosten für Silber bezahlt. In Deutschland hört die Nachfrage nachkleinen Scheinen und Zehnmarkstücken nicht auf, so daß im Jahre 189330 000 000 Mk. in letzteren ausgeprägt wurden. Es wäre verloreneLiebesmühe gewesen, dafür Thalerstücke anzubieten, denn das Verkehrs-bedürfnis läßt sich vom grünen Tische aus keine Gesetze vorschreiben.
Deni Verlangen nach internationalen Vereinbarungen zur Hebungdes Silberpreises widerspricht auch die Erfahrung, daß solche Ab-machungen im günstigen Falle nicht gehalten, im ungünstigen von dem
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