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Man kann sich denken, welche Folgerungen trotz des von Greyfür nötig erachteten Vorbehalts, die russische und französische Re-gierung aus der Aufrechterhaltung des mobilen Zustands der eng-lischen Nordseeflotte und aus der Mitteilung dieser Massnahmezogen. Die Handlung des Ersten Lords der Admiralität und derenSanktionierung und Bekanntgabe durch das britische Kabinett wogenschwerer als alle vorsichtigen Worte.
In den folgenden zwei Tagen muss die Kriegspartei im eng-lischen Kabinett noch mehr Oberwasser bekommen haben. Denn am29. Juli tat Sir Edward Grey einen Schritt, der keinen Zweifel überdie Stellungnahme Englands an der Seite seiner Ententegenossenmehr zulassen konnte. An diesem Tage hatte Grey mit dem FürstenLichnowskj eine Unterredung, über die er selbst an den englischenBotschafter in Berlin berichtet (Blaubuch No. 89):
"After speaking to the German Ambassador this afternoon aboutthe European situation, I said that I wished to say to him, in a quiteprivate and friedly way, something that was on my mind. Thesituation was very grave. While it was restricted to the issues atpresent actually involved we had no thought of interfering in it.But if Germany became involved in it, and then France, the issuemight be so great that it would involve all European interests; andI did not wish him to be misled by the friendly tone of ourconversation — which I hoped would continue — in thinkingthat we should stand aside." (Nachdem ich heute nachmittag mitdem deutschen Botschafter über die europäische Frage gesprochenhatte, sagte ich, dass ich ihm in durchaus privater und freundschaft-licher Weise etwas sagen möchte, was mir im Sinn liege. Die Lagesei sehr ernst. Solange sie nur die Fragen betreffe, die zurzeit wirk-lich im Spiel seien, dächten wir nicht an eine Einmischung. Wennaber Deutschland hinein verwickelt werde, und dann Frankreich ,dann stehe soviel auf dem Spiel, dass alle europäischen Interessenhineingezogen würden; und ich wünschte nicht, dass er durchden freundschaftlichen Ton unserer Unterhaltung — aufderen Fortsetzung ich hoffte — irre geführt werde zu der An-nahme, dass wir beiseite stehen würden.)
Diese Ankündigung Hess an Deutlichkeit nichts zu wünschenübrig.
Nun kann Deutlichkeit in schwierigen Situationen ein Vorteilsein und zur Entwirrung beitragen. Wenn aber das die Absicht SirEdward Greys gewesen sein sollte, welcher Teufel hat ihn geritten,dem französischen Botschafter am Vormittag des 29. Juli zu sagen,dass er den deutschen Botschafter zu sich bestellen und ihm diese„durchaus private und freundschaftliche" Eröffnung machen werde!