Druckschrift 
Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
33
Einzelbild herunterladen
 

33

Sir Edward Orey hat seiner Mitteilung an Paul Cambon über seine beabsichtigte Eröffnung an den Fürsten Lichnowsky einige Ausführungen hinzugefügt, die auf den ersten Blick eine Analogiezu dem Vorbehalt zu sein scheinen, den er bei der Mitteilung derAufrechttrhaltung des mobilen Zustandes der Flotte an den russi-schen Botschafter gemacht hat. Er hat nämlich darauf hingewiesen,dass diz öffentliche Meinung in England die derzeitigen Schwierig-keiten doch mk anderen Augen ansehe als vor einigen Jahren dieMarokkokrisis. Damals habe es ausgesehen, als ob Deutschland Frankreich zerschmettern wolle wegen einer Frage, die Gegenstandeines Spezialabkommens zwischen England und Frankreich war.Diesmal handle es sich in erster Linie um eine serbisch-öster-reichisch-ungarische, vielleicht auch um eine russisch-deutsche Frage,und England fühle keinen Beruf, sich einzumischen. Wenn auchFrankreich auf Grund seiner Bündnisverpflichtungen hineingezogenwerde, so habe England sich noch nicht schlüssig gemacht, was zutun sei; dies sei ein Fall, der zu überlegen wäre. England sei freivon Verpflichtungen und werde zu entscheiden haben, was die bri-tischen Interessen verlangten. Er habe es für nötig gehalten, dies zusagen, um Cambon nicht in den Irrtum zu versetzen, als ob hierüberein Beschluss schon gefasst sei.

Wie Cambon diese Ausführungen auffasst, ergibt sich aus seinerAntwort. Sir Edward Grey selbst drahtet hierüber an den britischenBotschafter in Paris (Blaubuch No. 87):

"M. Cambon said that I had explained the situation very clearly.He understood it to be that in a Balkan quarrel, and in a struggle forsupremacy between Teuton and Slav we should not feel called tointervene, should other issues be raised, and Germany andFrance become involved, so that the question became oneof the hegemony of Europe, we should then decide what itwas necessary for us to do". (Herr Cambon sagte, ich habe dieLage sehr klar auseinandergesetzt. Er verstehe, dass wir keinen Be-ruf fühlten, in einem Balkanzwist oder in einem Kampf um die Vor-herrschaft von Teutonen oder Slawen zu intervenieren; wenn aberandere Ausgangspunkte entstehen und Deutschland undFrankreich hineinverwickelt werden sollten, so dass der

vom 30. Juli enthält eine volle Bestätigung dieser Zusammenhänge. Indiesem Bericht heisst es:England hat zuerst zu verstehen gegeben, dasses sich nicht i n einen Konflikt hineinziehen lassen wolle. Sir O. Buchanansagte dies offen. Heute (also am 30. Juli) ist Petersburg fest überzeugt,ja es hat sogar Zusicherungen des Inhalts enjpfangen, dass England aufder Seite Frankreichs mitgehen wird. Diese Hilfe ist von entscheidenderWichtigkeit und hat wesentlich zum Triumph der Kriegspartei bei-getragen," , , .......

8