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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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dass man offnen Auges und rühriger Hand mitten indem bunt bewegten Fluss des breiten frischen Lebensschwimmt und rudert: das, dünkt mich, ist die Art derZeit, ist ihre Lust und ihre Signatur. Alle Ewigkeitenbestehen doch wieder nu 1 aus Augenblicken, und warumsollte der spätentfernte heiliger sein als der nächst-ergreifbare? So dient die Zeit sich selbst, und dasSymbol dieses Dienstes nennt mit unvergleichlicherTiefe die deutsche SpracheZeitung. Dies rastlosbringende und rastlos verschlingende Element, das seinRecht nur aus der letzten Erdumdrehung schöpft unddas mit ihr in den Abgrund hinabrollt, birgt in seinemSchoss das Mysterium unserer massgebenden Weltan-schauung. Zunächst verräth es merkbar die um sich grei-fende Erschütterung des Glaubens an ein Jenseits; dennwer dem Tode ernstlich traut, wirft sich nicht mit solcherGewalt an die Brust des Augenblicks. Sodann vermitteltes die unendliche Leistungskraft des Könnens mit demunendlichen Durst des Wissens. Die löslichen Theile,die von der unübersehbaren Oberfläche des stündlichanschwellenden Oceans von Kenntnissen in flüchtigerForm emporsteigen, fallen in der Tagespresse als be-fruchtender Thau und Regen auf die lernbegierigenKöpfe der breiten Menschengefilde hernieder. Sie auch,diese ephemere Presse, vollendet erst die Wunder desDampfes und der Elektricität, verwandelt 'die blosse