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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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stellen würde! Selbst mit den nördlichen Feudalen, aufwelche jeneHerren vom Süden doch gleich nachLouis Napoleon sich am meisten verlassen, ist keinewiger Bund zu flechten, wie bei der hessischen Wein-steuer kund ward. Diesmal dagegen schauen sie voll-ständig beruhigt drein, rosig ausgeschlafen, und drückenihren intimsten Feinden die Hände, wie die Leute, dieihrer Sache gewiss sind; ihr Lächeln ist von der Farbedes Vergissmeinnicht. Nichts fürchten sie von deut-scher Einheit zu hören, Nichts von Ueberschreitungdes Mains. Das deutsche Nationalbewusstsein, welchesSchande halber in der Eröffnungsbotschaft des Zoll-parlaments nicht fehlen durfte, ist bereits darin ange-wiessen worden, in der Verbrüderung mit dem Mikadound dem Taikun von Japan zum Einblick in sich selbstzu gelangen. Abwechslung halber werden wir diesmalden Weg nach dem Kyffhäuser über Yeddo , Nangasakiund Yokuhama versuchen, um von da München undStuttgart zu erreichen. Wunderbar verschlungen sindja die Wege der Vorsehung, und grosse Wahrheitenmüssen oft in scheinbarem Stillliegen Kraft und Stoffansammeln, dann urplötzlich auf die Füsse springenund ihren nichts ahnenden Gegner zu Boden schlagen.Deutschland hat 1866 eine kritische Krankheit durch-gemacht,' und ist noch in der ReconvalcscenzperiodeIn solchen Zeiten empfehlen die Aerzte ihrem ungedul-