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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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Westen! Der Selbstherrscher, welcher so viele Chasse-pots und Kanonen angehäuft, Paris über und unterder Erde mit Heerstrassen durchzogen, um seine Ge-walt mit eiserner Faust zu halten, er muss zurück-weichen vor jenem unsichtbaren Etwas: der öffentlichenMeinung! Nicht Ross, nicht Reisige! Alle künstlichenAuswege durch Spiegelfechtereien des Krieges, so langeausgeklügelt und ausgespäht, hat ihm in einer Nacht,vom 24. auf den 25. Mai *) der unsichtbare Geist verlegtDie Tragweite dieses Ereignisses zu durchdenken, wäreein zu kühnes Unterfangen für den Schluss eines Brie-fes. Möglich, dass wir vor einem weltgeschichtlichenWendepunkt stehen. Den zähen Anhängern der Un-freiheit nöthigt dies Erlebniss die Einsicht auf, dassder Strom der Zeit unaufhaltsam weiter schiebt; eswird ihnen etwas heilsame Demuth einflössen. Denungestümen Heissspornen der Freiheit widerlegt es dieLehre von der alleinseligmachenden Kraft der Barri-kade. Seit vielen Jahren ist nichts Merkwürdigeresder Welt geboten worden, als das Schauspiel des widerWillen in freiere Bahnen gedrängten französischen Kai-serthums.

*) Die Nacht nach dem Abschluss der Wahlen zum gesetz-gebenden Körper. Seitdem Obiges geschrieben wurde, ist einJahr vergangen, welches die hier ausgesprochene Erwartung mehrals gerechtfertigt hat.