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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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dem Markt des Stimmenhandels; hier vertiefen sich dieausgewählten Vertreter der deutschen Nation in diekleinsten Bewandtnisse eines Gewerbes, dort wer-den die des Lesens und Schreibens unkundigen Schaa-ren aufgerufen, über die erhabensten Probleme derStaatsweisheit ihre Meinung abzugeben. Wen möchtesolch ein Doppelbild nicht zum Nachdenken auffordern!Jüngst brachte ich Ihnen eine Stelle aus dem Briefe,in dem ein im Herzen Oesterreichs wohnender Freunddie Zustände jenes Landes, verglichen zu den unsrigen,mit einigen scharfen Strichen schilderte. Es trifft sichheute, dass ich Ihnen das Gegenstück aus einer fran-zösischen Feder liefern kann. Ehegestern, als am Vor-abend des Plebiscits, schreibt mir ein in den Angele-genheiten seines Landes vielbewanderter Politiker, wiefolgt, aus Paris :Grössere Aufregung als jetzt, habeich hier nie erlebt; doch bezweifle ich, dass es werdezum Blutvergiessen kommen. Mein Kopf ist mir wüstvon Allem, was ich seit acht Tagen höre, sehe, lese;es schwindelt mir, wenn ich zwischen den von obenbis unten mit Plakaten aller Farben beklebten Mauerneinhergehe. Eigentliche Politik, was so dieses Namenswerth ist, wird jetzt nur hei Ihnen in Deutschland ge-macht, langweilig zwar für die Gallerie der Zuschauer,aber nützlich, wie jedes Handwerk, das sich mit denkonkreten Aufgaben des Lebens, d. h. mit den Dingen