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losigkeit, sondern an steigender Arbeitsnachfrage mit reichlichemVerdienst interessirt sind und dass diese nur bei günstigenProduktionsbedingungen für Landwirtschaft und Industrie mög-lich ist. Die Bimetallisten wollen keine Geldentwertung, sondernSchutz vor Geldverteuerung und vor Valuta-Differenzen. DieseKehrseite der Goldwährungsmedaille existiert für die Goldparteinicht. Die älteren Sozialpolitiker in Deutschland legten hieraufentscheidendes Gewicht. Die Arbeiterfreundlichkeit der bime-tallistischen Nationalökonomen wie SchäfTle und Ad. Wagnerwird es noch mit derjenigen der Herren Lötz und Helfferichaufnehmen können.
Zum Schluss wendet sich Herr Helfferich der indischenFrage zu. Er schreibt in seiner Schrift: „Es wäre geradezuunbegreiflich, wenn dieser riesige Aufschwung in den Verkehrs-verhältnissen Verzwanzigfachung des Eisenbahn-Netzes seit 1860(in Russland und Indien) den Getreidebau und die Getreide-ausfuhr nicht enorm gesteigert und die Getreidepreise nichtausserordentlich verbilligt hätte."
Ja haben sich denn die Getreidepreise in Indien ausser-ordentlich verbilligt ? Sie haben sich in Europa ausserordentlichverbilligt, aber nicht in Indien. Weizen kostete in Kalkutta nach offizieller Notirung 1873 L. R. 3.5.0, 1893 dagegen 3.4.9L. R., in Bombay 1873 34.0.0, 1S93 36.0.0 (per Bandy). —Weizen ist also in Indien trotz der Verzwanzigfachung derEisenbahnen nicht billiger geworden, aber das indische Geldwurde für Europa um die Hälfte billiger und folglich kaufteeuropäisches Geld mit dem doppelten Quantum Silber dasdoppelte Quantum indischen Weizen, obwohl dieser seinen Preisin Indien nicht änderte und indischer Weizen konnte also fürden halben Preis den europäischen Weizen unterbieten, ohne inIndien selbst seinen Preis zu ändern. Das ist eine Valuta- aberkeine Transport-Frage. Nicht die Konkurrenz, nicht den Importfürchtet der europäische Landwirt — Europa muss ja Getreideimportiren — sondern die Unterbietung in Folge der Valuta-Differenzen; Fällt diese fort, wird der Silberpreis wieder her-gestellt, so kann indischer Weizen nur zum doppelten Preis wiejetzt in Europa verkauft werden, oder er müsste in Indien aufdie Hälfte sinken!
Die Erschliessung Indiens durch Eisenbahnen ist für unsereIndustrie ein Glück, aber sie ist kein Unglück für unsere Land-