Druckschrift 
Die Zettelbank vor dem Reichstag : Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

19

Wir haben eben gesehen: der Bankier gleicht dem Tuch-händler darin, daß er künftig fällige Forderungen vor Ver-fall wieder versilbern, daß er also mehr als sein Kapitaleinfach umsetzen muß. Aber nicht blos er gleicht ihm darin,er übertrifft ihn und beinahe alle Gcschäftsarten der Welt in derNothwendigkeit und folglich in der Gewohnheit des häufigenUmschlags. Man könnte ihn einem Bäcker vergleichen, deralle paar Tage seinen Mehlvorrath erneuert, indem er denzu Brot gebackcncn baar verkauft und dadurch zu neuenMehlanschaffungcn befähigt wird. Kein Geschäft beruht sosehr auf ewig und stündlich erneutem Stoffwechsel, wie dasdes Bankiers, denn wenn er nicht die einzelne Operationmit geringem Nutzen machen kann, so sind seine Dienste fürdie soliden Geschäfte unbrauchbar. In einem alten Cultur-lande, in dem sich viel Kapital angehäuft hat nnd welchesmit kapitalbesitzendcn Ländern verkehrt und concurrirt, kannauf die Dauer keine Fabrik und keine Großhandlung bestehen,welche mit theuerem Gelde arbeitet. Man kann in grobenZügen annehmen, daß größere Gewerbe dieser Art 10 Pro-cent vom umlaufenden Kapital abwerfen müssen, um bestehenzu können. Wie wir gesehen haben, arbeiten sie zumeist theil-weisc mit eigenem, theilweise vermöge der Wcchseloperationmit fremdem Kapital. Wenn sie für letzteres mehr als 6 Pro-cent im Jahr abgeben müssen, so bleibt für sie, welche dieArbeit und Gefahr der Fabrik oder Handlung auf sichnehmen, nicht 4, d. h. zu wenig übrig. Bankdienste müssendemnach wohlfeil sein, wenn sie einem groß entfalteten Ge-wcrbfleiß die Unterlage bilden sollen, d. h. sie müssen demBankier durch häufige Wiederkehr eines kleinen Gewinns-