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Die Zettelbank vor dem Reichstag : Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Zahlmittcl kamen nicht. Und nicht blos die weit über dieWelt hin verschifften Waaren warteten auf Absatz; in denMagazinen zu Hanse lagen nicht minder enorme Vorrätheaufgestapelt, gleichfalls meist auf Borg cingcthan, die nichtzu versilbern waren. In diesen Zustand brach die eng-lische Geldkrise herein. Und gerade die Abwesenheit beweg-licher Geldapparate verdichtete die Wirkung in einer ver-hängnisvollen Weise. Es war einKrach" schlimmer alsder von Wien im vorigen Jahre. Denn in Wien ging dieErschütterung von der Spielbörse aus, und erstreckte sie auchihre Wirkungen über dieselbe hinaus, so traf dieselbe dochnur mittclbarcrweisc andere Lebensgcbictc. Aber hierin Hamburg war das Börscnspicl dem ganzen Vorgangfremd; es war das solideste aller Geschäfte, viel solider alsdie Industrie, der altchrwürdige Waarenhandcl, seit vielenJahrhunderten eingebürgert ehe man von Gründern undGründungen eine Ahnung hatte. Während 14 Tagen, sagtein Berichterstatter, glich die Stadt einem vom Feindeerstürmten Platze, so trostlos, so von oben nach unten ge-kehrt waren alle Zustände. In derselben kurzen Zeitwaren 14ö Fallimente mit einem Passivum von 1,40 Mil-lionen Thlrn. ausgcbrochcn, darunter solche der größten,solidesten Häuser. Alle improvisirtcn Hülfsanstalten bliebenohnmächtig; Discontogescllschaften, Vorschüsse und Staats-schuldscheinc auf Waaren, Ernennung von Vertrauens-männern zur Controlirung der stockenden Firmen, allesvergeblich, bis Hülfe von außen kam.

Wenn immer Hamburg in erster Linie als Beleg auf-geführt wird, daß auch Verkehrsmittelpunkte ohne Papier -umlauf nicht gegen unheilvolle Störungen gesichert sind, so