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Die Zettelbank vor dem Reichstag : Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Festlandc geht neben solchen fundamentalen Bestimmungendie Ernennung der höchsten Bankbeamten einher, und damiteine fortlaufende Theilnahme an der Verwaltung. Wo, wiein manchen Ländern, Gewinstantheile des Staats vor-behalten sind, wird dennoch nicht aus diesem Verhältniß dasEingreifen des Staats abgeleitet. Der Staat verläßt sich,was den Gewinn angeht, auf den Gang der Maschine undauf den Geist der von Sachkenntniß und Verantwortlich-keitsgefühl durchdrungenen kaufmännischen Mitleitung. Dasegoistische Interesse der im Rathe einer großen Bank sitzen-den Personen wird hier ganz entbehrlich. Die kaufmännischenBeisitzcrstellcn in den großen Banken von England, Frank-reich und Preußen sind wesentlich Ehrenposten, und daswahre Interesse einer solchen Bank erheischt die sorgfältigeFernhaltung aller rein persönlichen Motive. Schon der Ver-dacht solcher Motive muß ihr schaden. (Auch das spricht gegendie kleinen Banken, in welchen die Ehre des Postens keineAnziehungskraft ausüben kann und darum, und nicht blosdarum allein! Geldbelohnungen mittelbar oder unmittelbarzur Annahme bestimmen.)

Träte nicht das Bedenken hinzu, daß eine ausschließlichmit Staatskapital arbeitende Bank zu schwach gegen einseitigepolitische Ausbeutung verwahrt sei, so schiene es kaum nöthig,im Interesse der Sache selbst zu heischen, daß das Grundkapitalaus Privatmittcln gebildet werde. Ein vom Staate ein-geschossenes würde dieselben Dienste leisten. Was den Ver-waltern der Bank im Nacken sitzt, ist sactisch viel mehr dasBewußtsein ihrer hohen Verantwortung, das Gefühl fürden gesunden Gang der Geschäfte und die Fühlung mit demgroßen Getriebe, als der Gedanke an die Jahrcsdividende