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mit kleinen Deficits eingehen, welche durch die anderweitigenGewinne mehr als ausgewogen werden. Auch hier gilt dasbereits angerufene Argument: Wurden die gewiegtesten Fi-nanzmänncr, wie die vorsichtigsten Verwalter von Mündel-geldern, Anlagen in Bankactien machen, welche mit dem Drei-und Vierfachen ihres Nominalwcrthes bezahlt werden, wennGefahr bestände, das Stammkapital durch schlechte Forde-rungen zu verlieren? Geht aber nicht das Stammkapitalverloren, so kann auch der Staat nicht einen Pfennig durchseine Bürgschaft einbüßen. Warum also nicht von vornhereindem Lande alle die Sicherheit und Leichtigkeit des Gelddienstesdurch eine ausdrückliche Verkündigung verschaffen, wenn manhinterher doch die Consequenzen einer Garantie zu tragenhat und sie ohne Gefahr tragen kann?
Darum auch hat England , abweichend von den andernsonst ja minder vorsichtigen und mehr zur Staatssolidaritäthinneigenden europäischen Ländern, sich nicht begnügt, wiediese-, die Annahme an den Staatskassen zu decretireu, son-dern es hat die Noten der Bank von England zum gesetz-lichen Zahlmittel, zum „I-sgnI Vsncksr" erhoben, und nie-mand füllt es ein, das ändern zu wollen.
Natürlich wird, wer überhaupt jede ungedeckte Note fürein Uebel hält, auch die mit derselben verknüpfte Gefahrgesteigert sehen in der Möglichkeit, daß der Staat, verführtdurch sein Bürgschaftsvcrhältniß, in schwierigen politischenLagen der Versuchung erliegen möge, ohne Beobachtung derrichtigen Grenzen ungedeckte Noten für seine Rechnung vonder Bank fabricircn zu lassen. Aus solche Beweisführunghaben wir schon die Antwort ertheilt: Wo die Politik an-fängt, hört alle wirtschaftliche Berechnung auf. So gut