48 DAS INTERESSE DER KLEINEREN STÄDTE AM KORNUANDEL.
Die Städte und Flecken, abgesehen von London , werdenin ihrer grossen Mehrzahl weder von Getreideeinfuhr noch vonGetreideausfuhr berührt.
Sie liegen in Folge fehlender Verkehrsmittel, wie wir sahen,meist abseits vom grossen Verkehr. Ihren Getreidebedarf be-ziehen sie nur aus der unmittelbaren Umgehung. Ihr Interessegeht daher nur dahin, dass ihnen dieser Getreidebedarf nichtdurch Vorkauf und Aufkauf vertheuert werde. Demnach kümmertsich ihre Getreidepolitik weder um Einfuhr noch um Ausfuhr,sondern lediglich um Vorkauf und Aufkauf. In dieser Politikstehen sie in keinerlei Widerspruch zu den Interessen des sieumgebenden Grossgrundbesitzes. Was ihre übrigen politischenAnsichten angeht, so bilden die Kaufleute und Krämer derStädte nächst den Freisassen die Hauptstütze der Whigs. Daherauch ihre Massregelung durch das Toryregiment am Schlüsseder Regierung Karls II. «Burgflecken auf Burgflecken wardgenöthigt., seine Privilegien aufzugeben und die neu bewilligtenFreibriefe verschafften überall das Uebergewicht den Tories.» 1Als dann nach der Revolution der frühere Zustand wiederher-gestellt wurde, wurden sie, wie bereits erörtert, ebenso wiefrüher von den sie umgebenden whigistisch gesinnten Gross-grundbesitze politisch beherrscht. Sie waren die Wahlkreise,deren diese stets sicher waren.
Ganz anders in jeder Beziehung die Hauptstadt!
Um ein Bild ihrer Bedeutung für die hier erörterten Fragenzu erlangen, wollen wir von der Beschreibung ausgehen, die JohnStow 1598 von der Bevölkerung und vom Zustand von London ge-geben hal. Er schreibt: 2 «DieEinwohnerschaft dieser volkreichenStadt lässt sich unter zwei Gesichtspunkten betrachten, unterallgemeinen und unter besonderen. Was die allgemeinen angeht,so sind die Londoner Unterthanen dieses Reichs und zwar einTheil der Gemeinen ; ihrer Geburt nach sind sie zum grösstenTheil eine Mischung aus allen Gegenden des Reichs; dem Blutnach sind sie Gentlemen, Freisassen und Leute der untersten