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deutschen Bundeskanzler etwas an, das war natürlich erst rechtder unwiderlegliche Beweis seiner tiefangelegten Mine und uner-gründlichen Bosheit. Die regierungsfeindlichen Organe, die sichtriumphirend die Hände rieben über die Falle, in welche das Ca-binet gegangen zu sein vorgab, dienten diesen: an? meisten, und sogab es Niemand, der nicht in der einen oder der andern Weisedazu beigetragen hätte, die Urheberschaft des spanischen Zwischen-falls allein in Berlin und Varzin zu suchen, und folglich auch eine,:unerlaubten und wohlberechneten Uebergriff preußischen Ehrgeizes darinzu erblicken; Niemand, der nicht als selbstverständlich ansah, dieseKandidatur sei ein Schaden, eine Gefahr und ein Schabernack fürFrankreich, während sie doch für Preußen und Deutschland in derThat höchst gleichgültig, höchstens Grund zur Besorgniß wegenirgendeiner künstig möglichen Verlegenheit sein konnte. Die aus-wärtige Diplomatie, die englische zumal, stets liebedienerisch gegenjede französische Regierung, wagte auch kaum über den Grund zurBeschwerde etwas einzuwenden. Sie vereinigte sich dahin: Frank-reich habe ein Recht diese Kandidatur zu perhorreseiren, aber mitihrem Verschwinden freilich jeden Anlaß zur Beschwerde verloren.Weil man in St. Cloud sich bei Zeiten auch mit Unzufriedeuheits-gründen gegen Belgien versehen wollte, behaupteten die ofsieiösenOrgane, der Brüsseler Hof habe ein wenig seine Hand bei der spa-nischen Sache im Spiele gehabt. Das war so eine kleine Neben-lüge, die kaum bemerkt eingeflochten wurde.
Jedem der politisch zu rechnen verstand, war inzwischen einUmstand klar geworden: Mit oder ohne geheime Einwirkung despreußischen Ministeriums und Hofes mußte der fürstliche Candidatzu dem Entschlüsse gelangen, seine Ansprüche dem europäische!?Frieden zu opfern. War alles nur Vorwand von kaiserlicherSeite, so mußte dieser Prinz erst recht ihn beseitigen, sei es um