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Frankreichs würdige Stellung?" Ungeheurer Beifallserguß vonallen Seiten. In der folgenden Session finden wir Thiers wieimmer mit denselben Ansichten bei der Berathung des Kriegsbud-gets wieder. „Man hat Deutschland seine Einheit machen lassen",sagt er; „was mich betrifft, bin ich darüber untröstlich ^'sn suisinoonsolakls), ich empfinde um meines Landes willen darob einentiefen Schmerz."
So stand der höchsten, unabwendbaren, allgemein anerkanntenAufgabe der deutscheu Nation der Mann gegenüber, welcher EndeOctobers 1870 in ganz Frankreich als der bestgeeignete auserlesenward, um versöhnend und vermittelnd zu unterhandeln zwischenseinem Land und dem deutschen Lager, in welchem eben das Fun-dament der deutschen Einheit gelegt wurde. Wenn um 4 Uhr Hr.Thiers deu Bundeskanzler verließ, so trat eine Viertelstunde späterder Minister von Baden oder Württemberg ein, um in demselbenGemach, auf demselben Sessel, in dem eben Hr. Thiers plädirthatte, die Paragraphen der deutschen Bundesacte zu besprechen,welche der französische Unterhändler als ein Unglück für seine Na-tion, als einen Nagel zu seinem Sarge hingestellt hatte. Und daswar uoch der einsichtsvollste, neutralste, räsonnabelste Staatsmann,welchen die Regierung der Nationalvertheidigung aufzutreiben ver-mochte. Kann etwas bezeichnender sein für die Stellung der bei-den Nationen gegen einander, kann uns etwas unwiderleglicherzeigen, daß bei dem gebieterischen Einheitsdrang unsrerseits undder verblendeten Gegnerschaft andrerseits dieser Zusammenstoß un-vermeidlich war?
Vervollständigen wir uns das Bild, indem wir auch in die Actendes ersten Friedensunterhändlers zurückgreifen. Am 31. Oct. war Hr.Thiers in Versailles erschienen, etwa sechs Wochen früher Jules Favre inFerneres. Jener das Haupt der orleanistischen Partei, dieser das Haupt