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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
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theil war ihr Adelsbrief und andererseits eine Nation, welche,wie alle Zeugnisse sagen, ihrem kriegerischen und empfindlichenTemperament nur mit der äußersten Verstandesanstrengung nachder Schlacht von Sadowa Ruhe auferlegte; hingestellt zwischen eineRegierung, welche zwei siegreiche Feldzüge hinter sich hatte, undeine Nation, die sich überhaupt für unüberwindlich hielt, wiekonnten da die Redner der Opposition von ihren brennendsten Vor-würfen, von ihren Denunciationen, von ihrem Wehklagen, daß derNorddeutsche Bund ein unberechenbares Unglück für Frankreich sei- wie konnten sie, sage ich, etwas anderes erwarten als daßRegierung und Nation Hand in Hand dem Kriege zustürzen müßten?Ein Jahr nach den eben geschilderten Reden konnte Thiers, wieimmer die Gelegenheit benutzend, im April 1869, wenige Tagevor Auflösung der Kammer, angesichts der neuen Wahlen, demMinister Lavalette, welcher die Gestaltung der deutscheil Dinge alseine natürliche und unaufhaltsame Entwicklung dargestellt hatte, vonneuem darob den Fehdehandschuh hinwerfen:Wir haben euch1866 angefleht, den in Deutschland sich entwickelnden EreignissenHalt zu gebieten, Ihr konntet sie aufhalten mit einem einzigenWort. Wie sehr wir auch in euch drangen, ihr thatet's nicht.Wir können also auch um unserer Ehre und um unserer Verant-wortlichkeit willen euch nicht erlauben zu sagen, daß ihr nicht dieseid, welche den gegenwärtigen Stand der Dinge in Deutschland geschaffen. Ich antworte: ihr habt ihn geschaffen!"

Wenn in solcher entscheidenden Stunde, aus so maßgebendemMunde, dieser Vorwurf der Regierung gemacht wird, der Regie-rung eines solchen Volkes, müßte sie nicht von Holz und Steinsein, wenn ihr ganzes Sinnen und Trachten auf etwas anderesginge als diese furchtbaren Fehler wieder gut zu machen? Undauf welche andere Weise als durch einen Krieg? Wahrlich, so