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die dem deutschen Heere angedichtet wurden, Gambetta erließ nachv. d. Tanns wohlberatbenem lind heldenmüthigem Rückzüge vonOrleans jenen Tagesbefehl, worin die deutschen Truppeu beinaheals feig stiebend und jedenfalls den Franzofen an Tapferkeit weitnachstehend geschildert werdeil. Gambetta verordnete, daß in denTaschen der deutschen Ofsieiere nach gestohlenen Kostbarkeiten ge-sucht werde. Wenn es so mit der Blüthe der Freigesinnten undpolitisch Gebildeten stand, wie mußte die Masse beschaffen sein?Zur Antwort auf diese Frage haben wir einen untrüglichen Weg.Wir alle haben staunend miterlebt, wie diese Massen auch nachden furchtbarsten Niederlagen nicht an ihre Besiegbarkeit glaubenkonnten; wie Unwissenheit, Dünkel und Fabelsucht alle Erfahrungenbis zu den bittersten sofort im Volksinstinct zu Erscheinungen um-bildeten, welche mit dem unentbehrlichen Glauben an die eigeneUeberlegenheit sich wieder vereinigen ließen. Wo gar nichts andereshelfen wollte, mußte es der Verrath thun. Einfach der Schwächerezu sein an Tapferkeit oder Geschicklichkeit — dieser Gedanke hatnoch bis auf diese Stunde in kein französisches Gehirn Einganggefunden. Ueberall, mit den geringsten Ausnahmen, waren dieKämpfenden auf beiden Seiten in der ersten Periode des Kriegsan Zahl einander gleich, und überall hieß es: Ihr Deutscheu wäretfünf-, sieben-, zehnmal stärker als wir Franzosen . Wie oft hörtenwir das nicht von den Gefechten um Metz sagen, wo unsere Deut-schen in so entsetzlicher Minderzahl mit einigen Divisionen eineganze Armee eine Zeit lang festhielten, und wo, wie die Zahl derGefangenen bei der Kapitulation ergab, uns stets gleiche, wennnicht überlegene Massen gegenüber gestanden hatten.
Am Abend nach der Schlacht von Gravelotte, am 19. August,sah ich die Gefangenen in Pont-a.-Mousson einbringen. Man weiß,welch ein heißes Ringen das war, wie unsere Truppen, namentlich