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auch wieder die Reiterei, am 16. August das Unmenschliche anTapferkeit geleistet hatten. Wir büßten an diesen drei Tagen, vom14. bis 17. August, wohl über 30,000 Mann Todte und Verwun-dete ein. Während ich dem damals noch ungewohnten traurigenSchauspiel zusah, wie die Gefangenen bei einbrechender Duukelheitin eine Kirche durch die enge Thür hineingedrängt wurden, unter-hielt sich ein Deutscher neben mir mit einem der französischen Offieiere. Ich mußte in mich hineinlächeln über die Naivetät, mitwelcher mein deutscher Nachbar den Angeredeten fragte: was ervon der Tapferkeit der deutschen Soldaten denke? Aber ich wardoch noch mehr verblüfft von der unverschämten Antwort, die derGefangene gab: „Wir können's nicht beurtheilen," sagte er, „ja,wenn wir nur einmal Eure Truppen in der Nähe zu sehen be-kämen; aber sie wagen sich nie an uns heran, und schießen nuraus der Ferne."*) Und das nach jenen Schlachten, wo die Deutschengerade durch die größere Tragweite des Chassepots am meisten ge-litten, wo die Franzosen durch wohlgewählte und geschickt benützteStellungen und Deckungen uns am meisten zu schaffen gemachthatten.
Solche Aeußerungen sind nicht einzelne Zufälligkeiten. Sieliegen im Blute. Was jener alberne Officier am 19. August sagte,das wiederholten kürzlich zwei Jünger der Wissenschaft, französischeAerzte, welche eonstatirten, duß die Deutschen nie den Franzosennahe genug kämen, um Hieb- oder Stichwunden beizubringen.Nein, sie hielten sich für unbesiegbar, groß und klein, für unver-gleichlich viel tapferer und geschickter, als die Deutschen, und darum